Der Parteitag der britischen Labour-Partei hat mit einem Votum von 71 Prozent der Stimmen den Plänen der Regierung Blair, die eine weitere Privatisierung des National Health Service (NHS) vorsehen, eine klare Absage erteilt. Zum Reformkurs schreibt
Der Standard aus Wien:Kernstück der Reformen ist die freiere Wahl der Behandlungsmöglichkeiten und -einrichtungen. Kranke sollen sich künftig in Privatkliniken behandeln lassen können, gleichzeitig aber nicht ihre Unterstützung aus öffentlichen Mitteln einbüßen. Die Gegner befürchten, dass dies auf Kosten der öffentlichen Krankenhäuser gehen könnte.
Außerdem will die Regierung besonders effizienten und erfolgreichen Krankenhäusern den Status von Stiftungen zuerkennen, damit sie ihre Ärzte und Mitarbeiter frei wählen können. Als Stiftungen könnten die Hospitäler zudem die engmaschigen Vorgaben der Besoldung im öffentlichen Dienst aushebeln. Hier befürchten die Reformgegner weiteren Schaden für Krankenhäuser, die ohnehin in Schwierigkeiten stecken, und die Abwerbung besser qualifizierter Ärzte.
Blair nahm das Votum nicht besonders entspannt auf. Ausschlaggebend für das Ergebnis war wohl die Gewerkschaft die die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst vertritt, und
Blair sagte laut Guardian:
The trade union movement has got to modernise; it has got to understand that the world out there has changed ... I think what they have got to realise, and I think this is the message from the constituency delegates to them, is, 'Come on, guys, get into the modern world. Get real'.
Die Gewerkschaft befürchtet, dass bei einer weiteren Privatisierung die Bedürfnisse der Patienten zugunsten von Profiten und Märkten auf der Strecke bleiben; Gesundheitsministerin Patricia Hewitt dagegen betonte, dass die Privatisierung der staatlichen Gesundheitsversorgung eine wesentliche Voraussetzung dafür sei, dass Labour die selbst gesetzten Ziele im Gesundheitswesen und bei den Kürzungen im Haushalt erreichen könne.