Mindestens elf Menschen in der Türkei sind mittlerweile an der Vogelgrippe erkrankt, die bereits gestorbenen 3 Patienten nicht eingerechnet - und etwaige Dunkelziffern ebenfalls ausser Betracht lassend. Infektionsmeldungen oder -verdacht gibt es nicht nur in den ländlichen Gebieten, sondern auch in Ankara und Istanbul. So ist bei der
deutschen Welle sehr beispielhaft zu lesen, warum gerade die Türkei als Brutstätte für eine Vogelgrippe-Pandemie geeignet wäre:
Die Lebensgrundlage vieler Menschen in den entlegenen und wirtschaftlich seit Jahrzehnten vernachlässigten Regionen ist die Tierhaltung. Sie sind auf Vieh oder Geflügel angewiesen, die aus ihnen gewonnenen Produkte werden verkauft oder dienen auch ganz einfach zur Ernährung der eigenen Familie. Unwissenheit und Armut verringert den räumlichen Abstand zwischen Tier und Mensch derart, dass Hühner über Nacht in die Häuser genommen werden, weil es keinen Stall gibt. In vielen Dörfern befinden sich die Wohnräume über einem Stall mit Kühen, Ziegen oder Truthähnen.
Maßnahmen wie Quarantäne haben kaum eine Chance in einem Land mit 40.000 Dörfern. Die Hygienevorschriften für Umgang mit Tieren existieren nur auf dem Papier. In den ärmeren Vorstädten der Ballungszentren gehören Hühner zwischen spielenden Kindern ebenso zum Straßenbild wie notdürftig verschlossene Kanalisationen. Neureiche Familien aus entlegenen anatolischen Regionen scheuen nicht davor zurück, Geflügel auf den Balkonen ihrer Luxuswohnungen mitten in Metropolen für ein Stück Heimatverbundenheit zu halten.
Es führt kein Weg daran vorbei, Menschen sofort und umfangreich aufzuklären. Sie müssen einsehen, dass ihr Geflügel getötet werden muss, damit ihre Familien überleben. Das ist aber leichter gesagt als getan. Es geht hier um die Existenzgrundlage von Familien, die sonst nichts besitzen als einige Hühner, Gänse oder Truthähne.
Wie könnte das Virus zu uns gelangen?
Die Bundesregierung rief Reisende in die Region zu verstärkter Vorsicht auf. Eine Reisewarnung gibt es aber nicht - im Agrarministerium geht man davon aus, dass das größte Infektionsrisiko bei illegalen Transporten von Geflügel und Geflügelprodukten besteht. -- Quelle: taz
Dafür greifen nun andere Maßnahmen - erneut die taz:
Die EU-Minister wollen heute offiziell die Importverbote ausweiten: Neben lebenden Vögeln und Geflügelprodukten aus der Türkei sollen dann auch unbehandelte Federn aus Aserbaidschan, Armenien, Georgien, Syrien, Iran und Irak unter den Bann fallen. Diese Länder grenzen an das Gebiet, in dem die infizierten Kinder gestorben waren.
Nachdem bei Kontrollen in Hessen in den letzten Wochen rund 13 Tonnen illegal eingeführte Geflügelprodukte aus der Türkei beschlagnahmt wurden, kommt diese Maßnahme wohl etwas spät, aber besser spät als nie.
Als Bewohnerin einer Großstadt mit einem großen türkischen Bevölkerungsanteil - und vielen sonnenhungrigen Touristen die die Türkei als günstiges Urlaubsland schätzen - frage ich mich, wie lange es dauert, bis wir wirklich die Vogelgrippe auch in Deutschland begrüßen können, und wann H5N1 so weit ist, dass er auch von Mensch zu Mensch übertragen wird...