Ulla Schmidt:
"Ich halte es nicht für richtig, dass wir mehr Geld für Arzneimittel ausgeben als für die gesamte Honorierung der niedergelassenen Ärzte." -- zitiert nach Focus/Ärzteblatt.
Das ist das erste Vernünftige was ich seit Wochen aus dem Gesundheitsministerium höre.
Dummerweise schleichen sich mir da gleich wieder Hintergedanken isn Hirn: ist das jetzt Schmidts Beschwichtigungsansprache an streikende Ärzte, oder vielleicht nur ein neuer Trick, das Geld aus der Tasche des Patienten in die des Behandlers zu befördern?
Fakt ist, die Pharmakonzerne werden wenig begeistert sein, wenn man ihnen an die Pfründe will, und das Geld muß irgendwoher kommen. Tatsache ist auch, daß schon lange überfällig ist, daß Ärzte für ihre wichtigste Leistung, nämlich die (immer seltener und knapper werdende) Kommunikation mit dem Patienten, das Zuhören und ernst Nehmen, überhaupt nicht entlohnt werden - daran muß sich dringend etwas ändern. Die GOÄ braucht einen Punkt "therapeutisches Gespräch, 15 Minuten" der auch schon mal für 30 Minuten pro Arztbesuch eingesetzt werden dürfte. Wie wäre es mit der Streichung der Rezeptgebühr? Ärzte würden sich zweimal überlegen, ein Rezept auszustellen. wenn es ihnen nichts einbringt, und den Patienten lieber zu anderen Dingen ermutigen, die seiner Heilung zuträglich wären.
Aber so viel Reformwille ist wohl von keinem Politiker zu erwarten - die jeweilige Partei müßte nämlich anschließend ohne Zuwendungen von Bayer. Hoechst, Novartis und Co. auskommen, und auch ein
Aufschub gesetzlicher Neuregelungen für Preissenkungen bei Medikamenten war beispielsweise den Pharmakonzernen noch 2003 einen kleinen Zuschuß in die Kasse der Bundesregierung von rund 200 Mio Euro wert.
Tuesday, January 31. 2006 at 11:15 (Reply)
überraschen. ;->
Zu der Rezeptgebühr: Ich nehme an, Du meinst damit den Betrag, der für das Ausstellen eines Rezeptes angerechnet wird? Ich persönlich bezweifle, daß die knapp 2 Euro wirklich ausschlaggebend sind.
Eher halte ich das Zusammenwirken von blinder Routine und Glauben an die Medikamente auf der einen, das Problem, daß die hohen laufenden Kosten nicht von langen, kaum bezahlten Gesprächen gedeckt werden, auf der anderen Seite für ausschlaggebend.
Wie in der Küche: Warum sollte ich mir etwas Frisches kochen, wenn ich einfach eine Dose aufmachen und dann schon was Anderes tun kann? Weil das Zeitnehmen ein Stück Lebensqualität wäre. Die wird aber von unserem Gesundheitssystem nicht bezahlt.
Saturday, February 11. 2006 at 13:09 (Reply)
Saturday, February 11. 2006 at 13:39 (Reply)
Das mit dem Punktevolumen ist natürlich Unfug...und genau das ist auch die Crux: die Produktivität eines Arztes ist eben nicht daran zu messen wie viele Patienten er durchschleust, genau daran krankt ja unter anderem unser System. Schließlich ist - ausser vielleicht Pharmaherstellern - keinem damit gedient wenn die Patienten nicht richtig versorgt und therapiert werden und damit umso länger leiden (und nicht arbeiten können) und ggf. noch mehr Folgekosten verursachen. Und es kann auch nicht der Sinn sein, daß die niedergelassenen Ärzte und ihre Angestellten die Zeche zahlen...