Der Morgen beginnt mit dem Radiowecker und dem NDR, der verkündet, daß die
Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern den Katastrophenfall ausgerufen hat - wegen der Vogelgrippe. Genauer:
Nach dem Übergreifen der Vogelgrippe auf das Festland haben am Montag auch die Landkreise Nord- und Ostvorpommern den Katastrophenfall ausgerufen. Alle Landkreise und großen Städte an der Küste erklärten die Behörden zur Überwachungszone. Dort werde gezielt nach toten Vögeln gesucht. Nach Rügen forderte auch Ostvorpommern Hilfe von der Bundeswehr bei der Seuchenabwehr an. Die Stadt Stralsund wurde zur Schutzzone erklärt. Zusätzlich steht die gesamte Küste von Mecklenburg-Vorpommern sowie ein angrenzender zehn Kilometer breiter Streifen ins Inland unter Beobachtung.
Im Radio Berichte von der "Entseuchung" auf Rügen: wer mit dem Auto die Insel verläßt, muß über Desinfektionsmatten fahren, die Räder von LKWs werden von einer speziell ausgerüsteten Einheit der Bundeswehr einzeln mit Desinfektionsmitteln besprüht.
Ich frage mich, ob ich in einer realsatirischen Variante von "
Outbreak" gelandet bin, und damit bin ich nicht alleine. Welchen Sinn macht es, Fahrzeuge zu desinfizieren, aber beispielsweise keine Schuhe? (Die Neuseeländer verstehen davon was). Und solange dieSeevögel ungehindert (und wer will sie hindern) herumflattern, sieht das alles mehr nach Panikmache und vorsorglichem "Cover Your Ass" (WIR haben was unternommen) aus als nach einer sinnvollen Aktion.
Aber es gibt bekanntlich keine Dummheit die man nicht noch steigern könnte. So fragt sich N24 nicht etwa, ob das massenhafte Versprühen von giftigen Chemikalien die Natur und Umwelt und Gesundheit schädigt, oder vielleicht Resistenzen erzeugt, nein der Nachrichtensender betitelt seinen Artikel über die Vogelgrippe mit der weltbewegenden Frage:
Wie gefährdet ist der Kanarienvogel?
Danke, N24, endlich kümmert sich mal jemand um die wirklich wichtigen Fragen.
Darf die Hauskatze noch draußen streunen? Ist der Kanarienvogel in Gefahr? Sind rohe Eier derzeit tabu? Seit die Hotline des Bundeslandwirtschaftsministeriums freigeschaltet wurde, laufen dort die Drähte heiß. «Etwa 80 Prozent der Anrufer machen sich Sorgen, dass sich ihr Hund oder ihre Katze anstecken und sterben oder ihren Besitzer anstecken könnten», sagt Rolf Krieger vom Nationalen Krisenzentrum für Tierseuchen. «Wir versuchen, die Menschen zu beruhigen.» An erster Stelle stehe dabei der Hinweis, dass in der Europäischen Union Wildvögel betroffen sind und weder Hühner noch Singvögel.
Besonders beruhigen muss (vor allem die EU-Massentierhaltung) die Antwort der Hotline-Mitarbeiter auf die Frage nach der Sicherheit des Putenschnitzels auf dem Teller.
In der ganzen EU ist kein Hausgeflügel betroffen.
Ob das Bundeslandwirtschaftsministerium das rechtsverbindlich zu behaupten wagt?
Die
Berliner Morgenpost berichtet ausserdem:
Zur Aufklärung wurde zudem ein Tornado herangezogen.
Vermutlich ist hier nicht von einem Wirbelsturm, sondern vom entsprechenden Kampfflugzeug der Bundeswehr die Rede, und ich frage mich wie ich mir das vorstellen soll. Donnert der Tornado jetzt im Sekundentakt über die Küsten Rügens um tote Wildvögel auszuspähen und lebende sicherheitshalber abzuschießen?
Immerhin sei der Katastrophenalarm auf "Druck aus Berlin" zustandegekommen. Für mich klingt das alles nach blindem Aktionismus. Wir haben keine Ahnung was wir tun müssen, aber das tun wir mit Hochdruck.
Die Bauernverbände wiederum protestieren schon mal vorsorglich ggen Massenimpfungen (die Bundesminister Seehofer mangels verfügbarer Impfstoffe bislang ohnehin nicht für angezeigt hält). So
zitiert die Netzeitung Gerd Sonnleitner, den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes:
«Wir können noch nicht unterscheiden, ob das geimpfte Tier nicht vielleicht doch den Virus in sich trägt».
Er befürchte «immense wirtschaftliche Schäden», falls der Vogelgrippe-Virus sich auf Nutztiere überträgt. Zwar gebe es im Falle von notwendig werdenden Massenschlachtungen Entschädigungen über die Tierseuchenkasse. «Damit sind aber nicht notwendige Betriebsunterbrechungen oder Schäden am Markt berücksichtigt.»
Ja, immense wirtschaftliche Schäden sind natürlich das Schlimmste was uns bevorsteht, wenn die Vogelgrippe in Deutschland tatsächlich ausbrechen sollte - wen stören schon ein paar hunderttausend Tote... man muß das alles nur in der richtigen Perspektive sehen, gelle?
Tuesday, February 21. 2006 at 23:44 (Link) (Reply)
Wer berührt im wirklichen Leben – auch ohne Vogelgrippe – schon tote Tiere?
Menschen sind also nicht direkt bedroht, wenn die Verhaltensregeln eingehalten werden.
Das Gesundheitsrisiko ist minimal.
Daher besteht auch keine Gefahr für einen Urlaub auf der Insel Rügen.
Die über die Medien laufenden Bilder suggerieren einen Gefährdungszustand, der auf Rügen nicht gegeben ist.
Man sollte sich keinesfalls von Fernseh- und Zeitungsbildern täuschen lassen.
Hier werden spektakuläre Aufnahmen gesucht und leider auch gefunden …