Momentan ist überall die Rede vom Ärztestreik - genauer: dem Streik der Klinikärzte. Besonders häufig hören wir, daß "die Ärzte" 30 Prozent Gehaltserhöhung fordern. Nun werden auch sonst bei Tarifverhandlungen meist sehr viel höhere prozentuale Anhebungen gefordert, als am Ende dabei herauskommen, dennoch ist das Ganze irgendwie zu einem - für die Ärzte - reichlich blöden Zeitpunkt eskaliert.
Den Krankenkassen geht es mies, den Beitragszahlern erst recht, die Finanzierungslöcher werden immer größer - wo bitte sollen die öffentlichen Arbeitgeber, denn genau die betrifft es, die zusätzlichen Gelder hernehmen? Es ist ja nun nicht so als würde der durchschnittliche Mediziner am Hungertuch nagen.
Mit der Autoscheiben-Putzaktion an einer Kölner Kreuzung wollten die Mediziner auf "lukrativere Jobs" als den Arztberuf aufmerksam machen, sagte der NRW-Verbandssprecher Michael Helmkamp. Zum Hintergrund: Ein Assistenzarzt an der Kölner Universitätsklinik steigt mit 3.000 Euro brutto im Monat ein - je nach Bereitschaftsdienstzeiten steigt dies Gehalt mit jedem Berufsjahr steil an. - Quelle: taz
Den Arzt möchte ich sehen, der mit Autowaschen so viel Geld verdienen kann. Und wenn, dann kann er ja Auto waschen gehen...
Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Rudolf Kösters, sprach von einer „maßlos überzogenen Forderung“. Behauptungen, Krankenhausmediziner würden „grottenschlecht“ bezahlt, ließen jeglichen Bezug zur Realität vermissen, sagte Kösters den „Ruhr Nachrichten“. --Quelle: sz online
Das Gefühl habe ich allerdings auch schon länger, daß es einigen Leuten reichlich an einem Gespür für die realen Gegebenheiten fehlt. Nicht nur Ulla Schmidt findet die Forderungen überzogen und unrealistisch.
"Das, was derzeit gefordert wird von der deutschen Ärzteschaft, das summiert sich ja auf 10 Milliarden, das sind mehr als 1 Prozent Beitragssatzpunkte", sagte Schmidt gestern in der ARD.
Was wohl das Pflegepersonal verdient? Und wie viele Stunden leisten die Pflegerinnen und Pfleger? Aber das interessiert die Ärzte anscheinend wenig, dabei sollten im Gesundheitswesen alle an einem Strang ziehen.
Die Gewerkschaft Ver.di kritisierte die Pläne von Land und Marburger Bund. "Einen Sonderweg der Ärzte lehnen wir ab, zumal dieser offenkundig auf Kosten des Pflege- und Servicepersonals gehen soll", sagte Ver.di-Bezirksleiter Jürgen Bothner. Er forderte einen Tarifvertrag für alle Beschäftigten der Universitätskliniken. - Quelle: taz
Da bin ich ausnahmsweise mal einer Meinung mit ver.di.
Tuesday, March 21. 2006 at 12:10 (Link) (Reply)
30% mehr für Ärzte? Wieviel denn mehr für den Klinikpförtner, für die Nachtschwester, fürs Kchenpersonal? Und warum können Ärzte die miserable Situation der Gesundheitsarbeiter nicht im Zusammenhang sehen, sondern müssen sich selbst als etwas Besonderes heraus nehmen. Jeder scheint sich selbst der nächste zu sein, nur die Ärzte sind sich selbst noch ein bisschen näher...
Michael
Thursday, March 23. 2006 at 20:41 (Link) (Reply)
Auch die Ärzte habn sich über den erfolgreiche Verhandlungsergebnis für das Pflegepersonal an den Unikliniken gefreut - niemand arbeitet gerne mit Personal zusammen, das mangels Deutschkenntnisse elementare Anweisungen nicht umsetzen kann, eine Folge der Sparmaßnahmen, wie sie in kommunalen Krankenhäusern schon lange zu beobachten ist.