Krebs, Tote, Behinderungen und mangelhafte Ärzteausbildung
Wie der Titel schon verrät war der Einsatz auf der Gastroenterologie sehr bewegend. Leider nicht immer nur im positiven Sinne. Aber auch auf meiner neuen Station - der Transplantalogie - ist es sehr interessant. Es gibt enorm viel zu lernen, endlich wieder Zeit, um mit Patienten in Ruhe zu reden und einmal umfassende Pflege kennen zu lernen.
Aber kommen wir erst einmal zur Gastroenterologie. Sicherlich eine schwierige Station für viele Schüler aber auch Pflegekräfte. Dies liegt aber weniger an den komplizieren Erkrankungen sondern mehr an den Nebeneffekten. Wer mit Erbrochenem, Urin und Stuhlgang Schwierigkeiten hat, ist auf dieser Station sicherlich nicht auf Dauer glücklich.
Natürlich muss man in jedem Fachgebiet mit Ausscheidungen umgehen, aber sicherlich nicht in einem so intensiven Sinne. Viele Patienten kommen mit Symptomen wie Erbrechen nach dem Essen, was sich natürlich am Anfang auch auf der Station fortsetzt. Auch wenn die Patienten auf "Diät" gesetzt werden. Dazu kommen auch Patienten, denen nach einem Tumorentfernung im Enddarm (Rectum- oder Sigma-Ca) der Anus vernäht und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) geschaffen wurde.
Aber kommen wir erst einmal zur Gastroenterologie. Sicherlich eine schwierige Station für viele Schüler aber auch Pflegekräfte. Dies liegt aber weniger an den komplizieren Erkrankungen sondern mehr an den Nebeneffekten. Wer mit Erbrochenem, Urin und Stuhlgang Schwierigkeiten hat, ist auf dieser Station sicherlich nicht auf Dauer glücklich.
Natürlich muss man in jedem Fachgebiet mit Ausscheidungen umgehen, aber sicherlich nicht in einem so intensiven Sinne. Viele Patienten kommen mit Symptomen wie Erbrechen nach dem Essen, was sich natürlich am Anfang auch auf der Station fortsetzt. Auch wenn die Patienten auf "Diät" gesetzt werden. Dazu kommen auch Patienten, denen nach einem Tumorentfernung im Enddarm (Rectum- oder Sigma-Ca) der Anus vernäht und ein künstlicher Darmausgang (Stoma) geschaffen wurde.
Da viele mit diesem Stoma nicht klar kommen oder erst gar nicht akzeptieren, liegt die Arbeit dann meist bei den Pflegekräften. Und es ist sicherlich nicht die Lieblingsaufgabe einer jeden Schwester/eines jeden Pflegers diesen Stomabeutel zu entleeren. Vor allem da auch dieser Stuhlgang gewissen Düfte von sich gibt und auch gern mal Blähungen entstehen können. Da ist es einem meiner Kollegen doch glatt passiert, dass ein Stomabeutel gefüllt mit Kot und Blähungsluft geplatzt ist, da der Patient einen spastischen Arm hatte, der ungünstigerweise öfters mal auf den Beutel drückte. Wenn man den Beutelinhalt dann vom Boden und von der eigenen Kleidung entfernen muss, ist gewisser Ekel vorprogrammiert.
Weiterhin gibt es viele Probleme, wenn die Stomabeutel nicht richtig sitzen, vor allem wenn die Patienten nur mit einem veralterten Modell arbeiten wollen. Da kann es auch mal passieren, dass der Patient vom Stuhl auf steht, zum Bett laufen möchte und die Kotbrocken dann auf dem Boden verteilt werden.
Aber mal Schluss mit irgendwelchen Ausscheidungen. Kommen wir zu einem anderen Thema. Krebs.
Viele Patienten erhalten auf dieser Station das meist vernichtende Urteil Krebs. Dies wäre jedoch an sich nicht "so schlimm", wenn wir Pflegekräfte das nicht bereits vor den Patienten erfahren würden und selbst dann Patienten noch Tage warten müssen, bis sie von den Ärzten diese schreckliche Nachricht erhalten. Leider gab es dort auch Ärzte die scheinbar keinen Lehrgang darin erhalten haben, wie man einem Patienten diese Information zukommen lässt.
Von diesem Lehrgang habe ich auch erst letzte Woche im ARD erfahren, die eine Woche lang vermehrt über das Thema Krebs berichtet haben. Dort haben sich ebenfalls Patienten beschwert, dass viele Ärzte nicht mit der Aufklärung klar kommen und sich beim Übermitteln dieser schlechten Nachricht unpersönlich verhalten. Dieser Lehrgang vom Übermitteln von schlechten Nachrichten an Patienten oder Angehörigen sollte im Studium dringend aufgenommen werden.
Selbes gilt auch beim Versterben von Patienten. Ärzte weigern sich teilweise Angehörige umgehend anzurufen und sie zu informieren. Uns bleibt dann nur übrig ein Zettel an die Tür zu hängen, dass sich Angehörige vor dem Eintreten in das Zimmer beim Personal melden sollen. Und selbst dann sind wir nicht berechtigt ihnen diese Nachricht zu übermitteln. Manchmal hab ich jedoch das Gefühl, dass wir darin teilweise viel besser wären, da wir auch mit den Patienten gearbeitet haben und auch viel persönliches wissen, was den Ärzten vorenthalten bleibt. Aber auf der anderen Seite ist dies auch Ärztearbeit. Sie haben die Therapie angesetzt und können auch sagen, warum genau der Tot eingetreten ist. Eine Zwickmühle.
Ich habe eh immer mehr das Gefühl, dass die Qualität der Ärzte immer schlimmer wird, je mehr Zeit ich auf den Stationen verbringe und je mehr Wissen ich habe. Da habe ich manchmal das Gefühl, dass die PflegerInnen meist eher wissen, was für den Patienten angebracht ist, als die Ärzte. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Ärzte immer mehr Zeit damit verbringen Berichte über Berichte zu schreiben, anstatt am Patienten zu arbeiten.
Dazu fehlen vielen Ärzten die entsprechende Sozialkompetenz, die in meinem Beruf unerlässlich ist und auch als Bedingung für den Job gelten.
Da ist es schon richtig auffällig, wenn mal ein Arzt oder gar PJler hervorragende Arbeit leistet und mit Patienten sehr gut umgeht. Leider ein seltenen Anblick.
Ebenfalls Thema auf der Gastroenterologie war das Thema Lebertransplantation. Und damit ging auch ein Konflikt einher, den ich vorher nicht gesehen habe.
Viel der Patienten leiden an den Folgen ihrer Alkoholsucht (C2-Abusus genannt). Einige kamen sogar im Entzug zu uns. Um so schwieriger war dann der Umgang mit ihnen, da sie teilweise sehr uneinsichtig waren und sich gegen Behandlungen wehrten.
Ca. 80 % der Patienten, die zu meiner Zeit auf der Station an Leberschäden litten, sind oder waren Alkoholabhängig. Viele von ihnen standen auf der Transplantationsliste, was die Einstellung des Pflegepersonals zur Organspende natürlich nicht positiv beeinflusste. Dies kann ich natürlich verstehen, da wir selbst einen Patienten auf Station hatten, der nach einer Lebertransplantation wohl weiter getrunken hatte und nun bereits ein zweites Transplantat besitzt, welches wohl ebenfalls schon Schäden aufweist. Aus diesem Grund finde ich die Skepsis um Organtransplantationen gerechtfertigt. Und das, wo ich doch als ehestes für die Organspende werbe. Es kann definitiv nicht sein, dass Menschen mit bestehender Alkohol- oder anderen leberschädigenden Süchten ein Organ erhalten, während andere mit Leberversagen (ohne eigenem Verschulden) auf ein Organ warten müssen. Sicherlich hat jeder das Recht auf Leben und damit auch auf ein Spenderorgan. Aber dazu muss auch eine lebensbejahende Einstellung vorhanden sein. Und bestehende Süchte sind für mich lebenszerstörend.
Aber auch andere Lebererkrankungen kamen zu uns, wie ein junger Patient mit Trisomie 21. Er hatte - auch aufgrund seiner Behinderung - Lebertumore entwickelt. Jedoch konnte er nicht mehr behandelt werden, da seine Erkrankung zu sehr fortgeschritten war. (Ich frage jetzt besser nicht, warum es nicht früher erkannt wurde und nicht doch noch ein Versuch gestartet werden konnte.)
Was ich jedenfalls an diesem Patienten gemerkt habe ist, dass ich nicht mir geistig behinderten Menschen arbeiten sollte oder auch kann.
Ich hatte zwar vorher schon die Annahme, dass dies nichts für mich sei, aber man sollte ja immer erst alles ausprobiert haben, bevor man eine Entscheidung trifft. Jedenfalls weiß ich es nun. Ich habe einfach nicht die Geduld auf Dauer mit einem geistig Behinderten arbeiten zu können. Ich entwickle einfach Aggressionen, weil es nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, obwohl ich mehrere Strategien schon ausprobiert habe. Die Aggression richtet sich zum Glück nicht gegen den Behinderten sondern eher gegen mich, weil ich keine geeignete Lösung finde. Denn hatte der Patient einen guten Tag, hat es viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Aber wie es so ist, hat man im Krankenhaus nur selten gute Tage. Und da ich nicht weiß, wie ich reagieren würde, wenn ich monatelang mit Behinderten arbeiten würde, lasse ich es besser gleich sein.
Sicherlich mögen jetzt viele sagen, dass dies eine sehr egoistische Entscheidung ist, aber ich denke jeder muss seine Grenzen kennen. Und wer einmal mit Eltern gesprochen hat, die behinderte Kinder haben, der weiß dass dies eine anstrengende und nervenaufreibende Arbeit ist. Dafür gibt es Menschen, die nicht mit Kranken und Alten umgehen mögen, jedoch lieber mit Behinderten. Sie können vielleicht keine offene vereiterte Wunden oder tote Menschen sehen, womit ich wieder weniger Probleme hab. Wenn also jeder seiner Passion folgt, sollte dies auch kein Problem sein.
Tja, und das war es auch mit meinen Eindrücken von der Gastroenterologie. Es war dort sehr schön, auch von den Kollegen her und im Vergleich zur Traumatologie auch recht entspannend.
Nun bin ich auf der Transplantalogie und muss mich erst einmal umgewöhnen. Ein ähnliches aber doch ganz anderes Fachgebiet. Und ich habe die Ehre als erstes von den Auszubildenen in unserer Schule so früh auf diese Station eingesetzt zu werden. Denn eigentlich war es immer so, dass nur Schüler im letztem Lehrjahr auf diese Station kamen, was wohl an den Anforderungen auf dieser Station liegt. Hier ist die Grundpflege kaum gefragt. Alle Patienten können sich in der Regel selber waschen, sind mobil und benötigen nur minimal Hilfe in alltäglichen Sachen.
Dafür ist die psychologische Unterstützung wichtig und mit intensivpflichtigen Patienten umgehen zu können. Etwas, was ich in der Schule noch nicht hatte. Ich kann nur von Glück reden, dass ich in der Schule die Niere schon durchgenommen hatte. So weiß ich wenigstens die Grundlagen und hangel mich dann durch den Alltag auf der Station.
Der erste Unterschied besteht schon darin, dass nur noch halb so viele Patienten auf der Station sind, wie auf der Letzten. Es ist mehr Zeit da, um sich um das seelische Wohl der Patienten zu kümmern, was mir immer am wichtigsten war. Zu der Station gehört ein IMC-Bereich (Intensiv Medical Care), wo die Patienten meist nach Transplantationen landen oder wenn sie mit ihrem Transplantat Probleme haben. Bereits der erste Tag war sehr spannend, da ich für den Chefarzt eine Punktionsprobe aus dem OP holen sollte und genau in dem Moment, wo ich geduldig auf die Probe vor dem OP warte, ein Notfall von einer Station geliefert wurde. Herzstillstand und laut Aussage einer OPschwester Perikarderguss. Der Patient hatte unzählige Infusionen zu laufen und noch etliche Gerätschaften an sich, so dass die Übergabe an das OP Team kompliziert wurde, da der Patient auf den OP-Tisch gehievt werden musste. Und ganz Emergency Room-like setzte sich ein Arzt auf den Patienten drauf, um die Herzdruckmassage fortzuführen. Scheinbar ist das keine beliebte Arbeit, da die OP-Mitarbeiter darüber diskutiert hatten, wer diese Aufgabe übernehmen würde. Aber keine Sorge, es fand sich ohne etwas zu sagen ein Freiwilliger. Ja, ein bisschen Spaß bei der Arbeit muss sein.
Nach 4 Tagen arbeiten, kann ich leider noch nicht so viel berichten, jedoch macht es mir bis jetzt Spaß und ich habe die Gelegenheit eine Menge neue Sachen zu lernen. EKG schreiben wird dort wohl zu einer Standardaufgabe werden und unter Umständen darf ich sogar Redons ziehen. Aber mal sehen, was sich ergibt. Auf jeden Fall habe ich schon mal einen guten Eindruck hinterlassen und werde natürlich dafür sorgen, dass dieser auch nach meinem Einsatz erhalten bleibt.
Gewöhnungsbedürftig für mich ist jedoch noch immer die blaue Dienstkleidung. Ich komme mir darin komisch vor, ist aber wohl auch nur eine Gewohnheitssache.
Bis dahin wünsche ich euch ein ruhiges Osterfest und bleibt mir gesund!
Weiterhin gibt es viele Probleme, wenn die Stomabeutel nicht richtig sitzen, vor allem wenn die Patienten nur mit einem veralterten Modell arbeiten wollen. Da kann es auch mal passieren, dass der Patient vom Stuhl auf steht, zum Bett laufen möchte und die Kotbrocken dann auf dem Boden verteilt werden.
Aber mal Schluss mit irgendwelchen Ausscheidungen. Kommen wir zu einem anderen Thema. Krebs.
Viele Patienten erhalten auf dieser Station das meist vernichtende Urteil Krebs. Dies wäre jedoch an sich nicht "so schlimm", wenn wir Pflegekräfte das nicht bereits vor den Patienten erfahren würden und selbst dann Patienten noch Tage warten müssen, bis sie von den Ärzten diese schreckliche Nachricht erhalten. Leider gab es dort auch Ärzte die scheinbar keinen Lehrgang darin erhalten haben, wie man einem Patienten diese Information zukommen lässt.
Von diesem Lehrgang habe ich auch erst letzte Woche im ARD erfahren, die eine Woche lang vermehrt über das Thema Krebs berichtet haben. Dort haben sich ebenfalls Patienten beschwert, dass viele Ärzte nicht mit der Aufklärung klar kommen und sich beim Übermitteln dieser schlechten Nachricht unpersönlich verhalten. Dieser Lehrgang vom Übermitteln von schlechten Nachrichten an Patienten oder Angehörigen sollte im Studium dringend aufgenommen werden.
Selbes gilt auch beim Versterben von Patienten. Ärzte weigern sich teilweise Angehörige umgehend anzurufen und sie zu informieren. Uns bleibt dann nur übrig ein Zettel an die Tür zu hängen, dass sich Angehörige vor dem Eintreten in das Zimmer beim Personal melden sollen. Und selbst dann sind wir nicht berechtigt ihnen diese Nachricht zu übermitteln. Manchmal hab ich jedoch das Gefühl, dass wir darin teilweise viel besser wären, da wir auch mit den Patienten gearbeitet haben und auch viel persönliches wissen, was den Ärzten vorenthalten bleibt. Aber auf der anderen Seite ist dies auch Ärztearbeit. Sie haben die Therapie angesetzt und können auch sagen, warum genau der Tot eingetreten ist. Eine Zwickmühle.
Ich habe eh immer mehr das Gefühl, dass die Qualität der Ärzte immer schlimmer wird, je mehr Zeit ich auf den Stationen verbringe und je mehr Wissen ich habe. Da habe ich manchmal das Gefühl, dass die PflegerInnen meist eher wissen, was für den Patienten angebracht ist, als die Ärzte. Dies liegt sicherlich auch daran, dass die Ärzte immer mehr Zeit damit verbringen Berichte über Berichte zu schreiben, anstatt am Patienten zu arbeiten.
Dazu fehlen vielen Ärzten die entsprechende Sozialkompetenz, die in meinem Beruf unerlässlich ist und auch als Bedingung für den Job gelten.
Da ist es schon richtig auffällig, wenn mal ein Arzt oder gar PJler hervorragende Arbeit leistet und mit Patienten sehr gut umgeht. Leider ein seltenen Anblick.
Ebenfalls Thema auf der Gastroenterologie war das Thema Lebertransplantation. Und damit ging auch ein Konflikt einher, den ich vorher nicht gesehen habe.
Viel der Patienten leiden an den Folgen ihrer Alkoholsucht (C2-Abusus genannt). Einige kamen sogar im Entzug zu uns. Um so schwieriger war dann der Umgang mit ihnen, da sie teilweise sehr uneinsichtig waren und sich gegen Behandlungen wehrten.
Ca. 80 % der Patienten, die zu meiner Zeit auf der Station an Leberschäden litten, sind oder waren Alkoholabhängig. Viele von ihnen standen auf der Transplantationsliste, was die Einstellung des Pflegepersonals zur Organspende natürlich nicht positiv beeinflusste. Dies kann ich natürlich verstehen, da wir selbst einen Patienten auf Station hatten, der nach einer Lebertransplantation wohl weiter getrunken hatte und nun bereits ein zweites Transplantat besitzt, welches wohl ebenfalls schon Schäden aufweist. Aus diesem Grund finde ich die Skepsis um Organtransplantationen gerechtfertigt. Und das, wo ich doch als ehestes für die Organspende werbe. Es kann definitiv nicht sein, dass Menschen mit bestehender Alkohol- oder anderen leberschädigenden Süchten ein Organ erhalten, während andere mit Leberversagen (ohne eigenem Verschulden) auf ein Organ warten müssen. Sicherlich hat jeder das Recht auf Leben und damit auch auf ein Spenderorgan. Aber dazu muss auch eine lebensbejahende Einstellung vorhanden sein. Und bestehende Süchte sind für mich lebenszerstörend.
Aber auch andere Lebererkrankungen kamen zu uns, wie ein junger Patient mit Trisomie 21. Er hatte - auch aufgrund seiner Behinderung - Lebertumore entwickelt. Jedoch konnte er nicht mehr behandelt werden, da seine Erkrankung zu sehr fortgeschritten war. (Ich frage jetzt besser nicht, warum es nicht früher erkannt wurde und nicht doch noch ein Versuch gestartet werden konnte.)
Was ich jedenfalls an diesem Patienten gemerkt habe ist, dass ich nicht mir geistig behinderten Menschen arbeiten sollte oder auch kann.
Ich hatte zwar vorher schon die Annahme, dass dies nichts für mich sei, aber man sollte ja immer erst alles ausprobiert haben, bevor man eine Entscheidung trifft. Jedenfalls weiß ich es nun. Ich habe einfach nicht die Geduld auf Dauer mit einem geistig Behinderten arbeiten zu können. Ich entwickle einfach Aggressionen, weil es nicht so läuft, wie ich es mir vorstelle, obwohl ich mehrere Strategien schon ausprobiert habe. Die Aggression richtet sich zum Glück nicht gegen den Behinderten sondern eher gegen mich, weil ich keine geeignete Lösung finde. Denn hatte der Patient einen guten Tag, hat es viel Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten. Aber wie es so ist, hat man im Krankenhaus nur selten gute Tage. Und da ich nicht weiß, wie ich reagieren würde, wenn ich monatelang mit Behinderten arbeiten würde, lasse ich es besser gleich sein.
Sicherlich mögen jetzt viele sagen, dass dies eine sehr egoistische Entscheidung ist, aber ich denke jeder muss seine Grenzen kennen. Und wer einmal mit Eltern gesprochen hat, die behinderte Kinder haben, der weiß dass dies eine anstrengende und nervenaufreibende Arbeit ist. Dafür gibt es Menschen, die nicht mit Kranken und Alten umgehen mögen, jedoch lieber mit Behinderten. Sie können vielleicht keine offene vereiterte Wunden oder tote Menschen sehen, womit ich wieder weniger Probleme hab. Wenn also jeder seiner Passion folgt, sollte dies auch kein Problem sein.
Tja, und das war es auch mit meinen Eindrücken von der Gastroenterologie. Es war dort sehr schön, auch von den Kollegen her und im Vergleich zur Traumatologie auch recht entspannend.
Nun bin ich auf der Transplantalogie und muss mich erst einmal umgewöhnen. Ein ähnliches aber doch ganz anderes Fachgebiet. Und ich habe die Ehre als erstes von den Auszubildenen in unserer Schule so früh auf diese Station eingesetzt zu werden. Denn eigentlich war es immer so, dass nur Schüler im letztem Lehrjahr auf diese Station kamen, was wohl an den Anforderungen auf dieser Station liegt. Hier ist die Grundpflege kaum gefragt. Alle Patienten können sich in der Regel selber waschen, sind mobil und benötigen nur minimal Hilfe in alltäglichen Sachen.
Dafür ist die psychologische Unterstützung wichtig und mit intensivpflichtigen Patienten umgehen zu können. Etwas, was ich in der Schule noch nicht hatte. Ich kann nur von Glück reden, dass ich in der Schule die Niere schon durchgenommen hatte. So weiß ich wenigstens die Grundlagen und hangel mich dann durch den Alltag auf der Station.
Der erste Unterschied besteht schon darin, dass nur noch halb so viele Patienten auf der Station sind, wie auf der Letzten. Es ist mehr Zeit da, um sich um das seelische Wohl der Patienten zu kümmern, was mir immer am wichtigsten war. Zu der Station gehört ein IMC-Bereich (Intensiv Medical Care), wo die Patienten meist nach Transplantationen landen oder wenn sie mit ihrem Transplantat Probleme haben. Bereits der erste Tag war sehr spannend, da ich für den Chefarzt eine Punktionsprobe aus dem OP holen sollte und genau in dem Moment, wo ich geduldig auf die Probe vor dem OP warte, ein Notfall von einer Station geliefert wurde. Herzstillstand und laut Aussage einer OPschwester Perikarderguss. Der Patient hatte unzählige Infusionen zu laufen und noch etliche Gerätschaften an sich, so dass die Übergabe an das OP Team kompliziert wurde, da der Patient auf den OP-Tisch gehievt werden musste. Und ganz Emergency Room-like setzte sich ein Arzt auf den Patienten drauf, um die Herzdruckmassage fortzuführen. Scheinbar ist das keine beliebte Arbeit, da die OP-Mitarbeiter darüber diskutiert hatten, wer diese Aufgabe übernehmen würde. Aber keine Sorge, es fand sich ohne etwas zu sagen ein Freiwilliger. Ja, ein bisschen Spaß bei der Arbeit muss sein.
Nach 4 Tagen arbeiten, kann ich leider noch nicht so viel berichten, jedoch macht es mir bis jetzt Spaß und ich habe die Gelegenheit eine Menge neue Sachen zu lernen. EKG schreiben wird dort wohl zu einer Standardaufgabe werden und unter Umständen darf ich sogar Redons ziehen. Aber mal sehen, was sich ergibt. Auf jeden Fall habe ich schon mal einen guten Eindruck hinterlassen und werde natürlich dafür sorgen, dass dieser auch nach meinem Einsatz erhalten bleibt.
Gewöhnungsbedürftig für mich ist jedoch noch immer die blaue Dienstkleidung. Ich komme mir darin komisch vor, ist aber wohl auch nur eine Gewohnheitssache.
Bis dahin wünsche ich euch ein ruhiges Osterfest und bleibt mir gesund!
Posted by shanice on Friday, April 14. 2006 at 14:26 in Schwester, Skalpell bitte!
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Sunday, May 7. 2006 at 18:47 (Link) (Reply)
Ich hatte mein Ileostoma nach der Darmoperation bekommen. Am Tag vor der OP erfuhr ich sowohl, dass ich Krebs habe als auch, dass ich ein Stoma bekomme. Ich stand unter Schock. Die Schwestern in der Intensivstation haben mir geholfen, mit der Situation klarzukommen. Ich denke, dass viele Patienten ihr Stoma ablehnen, weil ihnen die Ängste, damit leben zu müssen, nicht genommen werden.
Was die Gerüche betrifft hatte ich mit meinem Ileostoma da weniger Probleme, so ich Fisch vermied. Jetzt als Rückverlegte muss ich mich erst wieder an die normalen Toilettendüfte gewöhnen. Mit der Versorgung im Krankenhaus hatte ich eher andere Sorgen. Ich hatte ein System mit Klettverschlüssen, das sich leicht reinigen ließ. Im Krankenhaus verpassten sie mir eins mit Klemme, das mein Nachthemd verschmutzte und mit dem ich nicht klar kam. Ich habe die Entleerung meist von der Schwester erledigen lassen.
Nach meiner Erfahrung als Krebspatient sind die Schwestern näher am Patienten dran. Sie nehmen sich auch die Zeit zum Gespräch, Ärzte tun das eher selten. Mein Arzt muss nicht pausenlos mit mir reden aber ab und zu doch schon.