Die CSU hat angekündigt, bei der nächsten Stufe der Gesundheitsreform Strafen gegen uneinsichtige Kranke beschließen zu wollen. So sollten zum Beispiel übergewichtige Kranke abnehmen - oder sonst notfalls mehr zahlen. -- Quelle: Spiegel Online
Mit sowas war ja irgendwie zu rechnen. Ich frage ich allerdings, wie das dann aussieht. Bleibt es dem Mediziner (der seinen Patienten frühzeitig fachgerecht hätte beraten und beim Abnehmen unterstützen müssen, auch unter Hinzuziehung von Optionen wie Kuren, die Geld der Krankenkassen kosten) überlassen, beim Blick auf die Waage und den BMI festzustellen, daß ein Patient klinisch übergewichtig ist, um ihm dann gleich vor Ort seine Zuzahlung abzuknöpfen?
Oder ist Übergewicht beim Arztbesuch bereits a priori moralisch verwerflich und wird der Einfachheit halber mit erhöhten Beiträgen bestraft?
Wer darf und wird feststellen, wann die Gesundheit eines Patienten beeinträchtigt ist und wann der Patient die Schuld an seinem Übergewicht allein zu vertreten hat? Wie sieht das zum Beispiel bei Diabetikern aus? Wie lange muss man versuchen abzunehmen, und das mit einem Abnehmversuchsprotokoll unter ärztlicher Aufsicht belegen können, um in den Genuß einer vollen Krankenkassenzahlung zu kommen? Mit "Kaufen Sie sich eine Diätwaage und eine Kalorientabelle" (so in einer Arztpraxis vernommen, als ein Arzt den Patienten gerade verabschiedete und dieser ein weiteres Mal hörbar nach ärzticher Unterstützung und Hilfe bei seinen Gewichtsproblemen fragte) wird es nämlich in den wenigsten Fällen getan sein.
Unions-Gesundheitsexperte
Wolfgang Zöller (CSU) (ich möchte in solchen Fällen eigentlich das "Gesundheitsexperte" bestreiten, diese Leute verstehen von Gesundheit weniger als ich von Quantenphysik, schließlich haben Finanzschiebereien mit Gesundheit nichts zu tun)
nannte (...) als Beispiel einen 25-jährigen Mann mit 150 Kilogramm Gewicht, der sich ein neues Hüftgelenk machen lassen wolle. "Ich finde, dass der Mann entweder abnehmen muss oder sich mit zehn Prozent an den Kosten beteiligen soll", so Zöller. (Quelle: s.o.)
Na und wenn Herr Zöller das findet dann ist das natürlich automatisch richtig. Als Diplomingenieur für Maschinenbau und Sicherheit kennt er sich nämlich mit sowas aus.
Denken wir das mal konsequent weiter: Herzinfarktpatienten dürfen dazu zahlen, wenn sie deftige deutsche Küche essen, denn die ist bekanntlich schlecht fürs Herz, oder wenn sie stressigen Jobs nachgehen, schließlich könnten sie ihren Streß ja reduzieren oder sich einen anderen Job suchen (und Sport treiben).
Sportverletzungen sind allerdings vollkommen selbst verschuldet und gehören unbedingt aus den Kassenleistungen heraus genommen. Rentner die einen Kreislaufkollaps in der Hitze erleiden, hätten gefälligst zu Hause bleiben können, warum soll die Allgemeinheit diese Kosten tragen? Sie sind mit dem Fahrrad gestürzt? Sie hätten eben vorsichtiger fahren müssen, das geht nun wirklich nicht... Unfall? Also, da zahlt der Schuldige natürlich bzw. dessen Haftpflicht, oder Ihre Unfallversicherung. Wie, Sie haben keine Unfallversicherung? Wie nachlässig von Ihnen...
Und wieso dürfen eigentlich schwangere Frauen kostenlos zum Arzt? Hätten die nicht verhüten können? Ausserdem ist Schwangerschaft ja keine Krankheit, also eigentlich keine Kassenleistung...
An dieser Stelle ein Einschub: das was Zöller fordert ist im Grunde nichts anderes als eine "gerechtere" Risikoprämie, wie sie private Krankenkassen ohnehin schon bei ihren Beitragsberechnungen einsetzen, da sie die Kosten der Behandlungen nicht sozialisieren (dürfen).
Dann sollen die Damen und Herren Politiker aber doch bitte so ehrlich sein und die gesetzliche Krankenversicherung als mittlerweile nicht mehr tragbares Modell ganz einstampfen. Das spart dem Bund und den Arbeitgebern eine Menge Geld, und es muß sich jeder privat versichern, der eine Krankenversicherung haben will, alle anderen müssen dann eben leider verrecken, aber so ist die Welt nunmal.
Dabei fällt mir ein, wer keinen Job hat, ist nur zu faul zum arbeiten und sollte deswegen auch kein Geld vom Staat bekommen, auch nicht wenn er die letzten 20 Jahre gearbeitet hat. Mann, sind da noch Einsparungspotenziale vorhanden...
Friday, July 21. 2006 at 16:42 (Link) (Reply)
Psychosomatische Krankheiten raus aus den Krankenkassen, das ist ja alles nur eingebildet deswegen muss es die Allgemeinheit doch nicht tragen.
Und so weiter...
Friday, July 21. 2006 at 17:08 (Link) (Reply)
Friday, July 21. 2006 at 19:26 (Link) (Reply)
Ich finde es allgemein unsinnig über die eigenen Fehler der Regierung zu diskutieren. Sollen sie doch lieber mal mehr in Prävention stecken, dann würden viele Erkrankungen auch nicht entstehen oder könnten gleich im Keim behandelt werden.
Und wenn ich schon sehe, das die deutsche Nationalmanschaft für zuckerhaltige Schokocreme, fetthaltige Würstchen, zuckerhaltige Getränke und Bier Werbung macht, wie kann denn ein Kind nicht dabei denken, dass dies gesund ist? Schließlich essen/trinken dies doch die topfitten Sportler? Komische Vorbilder....
Monday, August 7. 2006 at 16:42 (Link) (Reply)
Landesarbeitsgemeinschaft Nord www.patientenschutz.de
Postfach
26863 Papenburg
0162 166 150 7
Papenburg im August 2006
Wolfgang Zöller (CSU)
CDU/CSU Fraktion
Offener Brief
Sehr geehrter Herr Zöller,
laut Zitat in der BamS vom 6.August haben Sie auf die Frage, ob Risikogruppen wie Übergewichtige
höhere Gesundheitskosten übernehmen sollten, geantwortet
„Solange der Kohl dran war, durften wir gegen Dicke nichts tun.“
Sie hätten weniger populistischer antworten können:
Leider ist Adipositas bei der WHO , aber nicht in Deutschland als behandlungsbedürftige Krankheit
anerkannt. Dies und die in Deutschland stattfindende Diskriminierung dicker Menschen müssen wir schleunigst ändern, damit nicht noch mehr Menschen in die Magersucht abgleiten oder Opfer der „Geldschneidemaschine“ Adipositaschirurgie werden.
Um es mit einem Zitat von Franz-Josef Strauss zu sagen:
“Every body`s darling – every body`s depp”
In Bremen trat ein Senator zurück, weil er einen Obdachlosen beleidigte. Sie haben zigtausend Übergewichtige beleidigt. Wann treten Sie zurück????
Als Gesundheitsexperte haben Sie sich jedenfalls qualifiziert, oder waren Sie „gedopt“??
Mit freundlichem Gruß,
Gerhard Kreuter
Stellv. Vors. PeV. Berlin
Opfer der Adipositaschirurgie
www,gesundheitsreform.blog.de
www.forum.patientenschutz.de
Saturday, March 24. 2007 at 17:47 (Reply)
so eine unverschämtheit!dann sollten aber die alkoholiker und drogensüchtigen auch kräftig zur kasse gebeten werden! ich bin nicht mehr von übergewicht betroffen (80kilo abgenommen)finde es aber eine unverschömtheit! die fetten politiker, die sollte man auf diät setzen /GEHÄLTER