Von Nieren und was ein Zahnarztbesuch alles anstellen kann...
Hallo mal wieder von der "Front".
Wie in meinem letzten Bericht erwähnt, war ich in meinem letzten Einsatz auf der Transplantalogie. Ein sehr interessantes Fachgebiet mit ganz anderen Anforderungen an die Pflegekräfte. Aber auch das Verhältnis zu den Ärzten ist dort ein ganz anderes. Hier herrscht viel Sympathie und Gruppengefühl. Es gibt nicht diese Unterteilung Ärzte und Pflegekräfte, wo man sich nur auf arbeitstechnischer Ebene unterhält. Hier wurde gemeinsam gefrühstückt und sich auch über private Sachen unterhalten.
Wie in meinem letzten Bericht erwähnt, war ich in meinem letzten Einsatz auf der Transplantalogie. Ein sehr interessantes Fachgebiet mit ganz anderen Anforderungen an die Pflegekräfte. Aber auch das Verhältnis zu den Ärzten ist dort ein ganz anderes. Hier herrscht viel Sympathie und Gruppengefühl. Es gibt nicht diese Unterteilung Ärzte und Pflegekräfte, wo man sich nur auf arbeitstechnischer Ebene unterhält. Hier wurde gemeinsam gefrühstückt und sich auch über private Sachen unterhalten.
Die Ärzte waren auch immer bereit mir als Schülerin Fragen zu beantworten und mich zu Untersuchungen mitzunehmen. So konnte ich zum Beispiel bei einer Sonografie einer transplantierten Niere dabei sein, wo mir auch umfangreich erklärt wurde, was ich dort sehe. Und ich durfte bei einer Stanze einer transplantierten Niere dabei sein.
Die Stanze ist eine Nadel, die in das entsprechende Organ von Außen eindringt und Gewebeproben nimmt. Diese stellen so zu sagen ein Querschnitt der Niere an einer Stelle da. Sie gibt Aufschluss darüber ob die Niere richtig arbeitet oder gar eine Abstoßung im Gange ist.
Höchst interessant waren die Abläufe, wenn Nieren gespendet worden sind und uns Eurotransplant anrief, um uns die Daten der möglichen Empfänger in unserem Einzugsbereich mitzuteilen. Das Pflegepersonal sucht dann die Karteikarte des möglichen Empfängers raus, auf der auch die Blutwerte standen. Diese sind noch feiner untergliedert. Stimmen diese Untergruppen überein ist eine Abstoßung relativ gering. Stimmen alle Blutwerte exakt überein, nennt man dies in Fachkreisen gerne "Full House". Ein diensthabender Arzt ruft daraufhin die Dialysepraxis des möglichen Empfängers an, ob irgendetwas gegen eine Transplantation sprechen könnte. Auch dort sind die Blutwerte als Zeichen für mögliche Infekte ausschlaggebend.
Danach werden die Daten an den Chefarzt der Station weitergeleitet, der auch im Urlaub oder mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt wird. Dieser entscheidet dann anhand der Blutwerte und den Bericht über die Spenderniere, ob diese an den ausgewählten Spender gehen können.
Ist die Entscheidung getroffen, ruft meist der Chefarzt die Empfänger an und teilt ihnen die gute Botschaft mit. Viele reagieren daraufhin etwas verwirrt und wollen keine Transplantation. Gutes Zureden hilft meist, um die Patienten zu überzeugen. Denn selten kommt man in die Gelegenheit ein passendes Spendeorgan zu erhalten.
Da die Zeit von Entnahme bis zur Transplantation der Niere recht lang ist (ca. 30 Stunden), können sich die Empfänger meist etwas Zeit lassen, bis sie auf der Station sein müssen.
Wenn Sie dann eingetroffen sind, werden nur noch notwendige Untersuchungen gemacht (u.U. Röntgen-Thorax, Blutbild, EKG) bevor sie in den OP kommen. Die OP an sich dauert meist nur ca. 2-3 Stunden, abhängig wie viele Venen und Arterien an der Niere hängen.
Nach der OP werden die Patienten kontinuierlich mit Schmerz- und Beruhigungsmittel behandelt. Das aber nur am Tag der OP. Am ersten Tag danach, ist es für viele nicht mehr nötig, bzw. Tabletten reichen für die Schmerzlinderung.
Spätestens am ersten Tag nach der OP wird der Empfänger auch vor das Bett gestellt und muss ein paar Schritte laufen. Am zweiten Tag heißt es dann am Waschbecken waschen. Danach geht schon vieles alleine und das Pflegepersonal gibt nur noch Unterstützung.
Auch wenn die Patienten nach ca. 1 Woche schon über den Flur spazieren gehen und es ihnen gut geht, liegt die Mindestaufenthaltsdauer doch bei mind. 3 Wochen. Dies liegt an den Blut- und Urinwerten, die nach der Transplantation immer erhöht sind und erst wieder auf ein normales Maß herabgesenkt werden müssen.
Da es nicht so viele Todspenden werden auch immer mehr Lebendspenden durchgeführt. Das heißt, dass meist ein Verwandter eine seiner beiden Nieren zur Verfügung stellt. Bei einer Lebendspende wird dem Spender grundsätzlich nur die schlechtere Niere entnommen. Nicht dass der Spender später auch Dialysepflichtig oder ein möglicher Empfänger wird. Solche Lebendspenden müssen erst durch den Ethikrat eines Krankenhauses, um zu prüfen, ob irgend ein Druck auf die Person ausgeübt wurde vom Empfänger oder anderen Personen, ob sich der Spender über die Folgen und die OP im Klaren ist.
Mit den Folgen meine ich in dem Zusammenhang mögliche Schamgefühles, falls das Transplantat nicht anspringt, oder die Schamgefühles die der Empfänger gegenüber dem Spender entwickeln könnte.
Im Endeffekt ist dies sicherlich eine Station, auf die ich sehr gerne arbeiten würde. Hier gilt es mehr mit dem Kopf zu arbeiten, da es nur in den seltensten Fällen pflegebedürftige Patienten auf dieser Station gibt. Im Gegensatz zu normalen Stationen gilt es hier viel mehr alle Blutwerte und Urinwerte auswendig zu können und von diesen Rückschlüsse auf mögliche Komplikationen zu ziehen. Denn schließlich sind es meist die Krankenschwestern /-pfleger, die als erstes die Analysen der Mikrobiologie von den Patienten in den Händen halten.
Auch wenn ich sagen muss, dass man sich auf der Station auch nicht kaputt macht. Deswegen ist dies meist eine Station auf der viele alt gediegene PflegerInnen arbeiten, weil sie keine Lust mehr haben auf Patienten heben und Grundpflege zu betreiben.
Danach stand erst einmal wieder Schule an, diesmal zum Glück nur mit einer Klausur. Leider konnte ich die nicht schreiben, weil ich die letzten zwei Tage mit Migräne ausgefallen bin. Was wohl daran lag, dass ich einen Tag vorher einen Arzttermin inklusive Bohren hatte. Dazu noch wechselhaftes Wetter und es haute mich erstmal um. Erstaunlicher weise sogar viel länger als gewöhnlich. So hatte ich noch vier Tage danach mit den Ausläufern zu kämpfen. Was natürlich aber auch heißt, dass ich die Klausur im nächsten Block nachschreiben muss.
Ansonsten gab es nicht wirklich viel interessantes im Theorieblock. Mehr als genug sozialwissenschaftliches Stunden, die sich um Anleitung, Beratung und Schulung drehten. (Wobei ich sowie auch die meisten meiner Mitschüler das alles schon intuitiv richtig gemacht hatten.) Ansonsten gab es noch Ausflüge in die Infektionskrankheiten, Diabetes (kompliziert, vor allem wenn es ein Kardiologe erklärt ^^) und HIV / AIDS.
Bei dem Thema HIV / AIDS hatten wir mal mit einer neuen Lehrerin, die meist in den anderen Kursen unterrichtet. Ihre Art zu unterrichten ist so anders und so mitreißend, dass man sich wünscht, sie immer bei schwierigen Themen heranziehen zu dürfen. Sie ist mit Elan dabei und ist für viel Humor im Unterricht. Echt - solche Lehrer sollte es öfters geben!
Derzeit bin ich in meiner letzten Woche Urlaub. Und ehrlich - ich konnte mich kein Stückchen aufraffen etwas zu tun. Es war herrlich nicht täglich aufstehen zu müssen, nicht immer Schichtwechsel zu haben oder noch daran zu denken die Hausaufgaben zu erledigen oder für die Klausur zu lernen. Leider muss diese Gefühl für ca. 1 Jahr reichen, denn mein nächster zusammenhängender Urlaub ist erst wieder im nächsten Frühjahr.
Jetzt geht es erstmal auf in den OP. Meine nächste Station ist der OP der Plastischen Chirurgie. Mal sehen, wie gut ich die drei Wochen durchstehe.
Und nach dem OP geht es auch gleich auf die Kinderstation. Leider keine Neugeborenen, die ich betütteln könnte. Auf der Station sind laut Mitschülerin Kinder um die 10 Jahre und meist mit Arm- oder Beinbruch. Der Umgang mit uns "Nicht-KinderkrankenpflegerInnen" ist wohl nicht so toll, denn die obligatorischen Einstandsgespräche, Zwischen- und Endgespräche halten die dort wohl nicht für wirklich wichtig. Genügend freie Tage für den Azubi, damit dieser mit 0 Überstunden auf die nächste Station geht, sind wohl auch nicht so drin. Und Anleitungen oder Einführungen in den Stationsalltag sollen wohl auch nur auf den Papier stehen.
Also mal sehen was das wird. Ich hoffe, dass ich dort gut zurecht komme, da ich bis jetzt noch auf keiner Station großartige negative Erfahrungen gemacht habe. Und eigentlich hatte ich vor, dies bis zum Ende meiner Ausbildung so beizubehalten. ^^
Bleibt mir Gesund!
Die Stanze ist eine Nadel, die in das entsprechende Organ von Außen eindringt und Gewebeproben nimmt. Diese stellen so zu sagen ein Querschnitt der Niere an einer Stelle da. Sie gibt Aufschluss darüber ob die Niere richtig arbeitet oder gar eine Abstoßung im Gange ist.
Höchst interessant waren die Abläufe, wenn Nieren gespendet worden sind und uns Eurotransplant anrief, um uns die Daten der möglichen Empfänger in unserem Einzugsbereich mitzuteilen. Das Pflegepersonal sucht dann die Karteikarte des möglichen Empfängers raus, auf der auch die Blutwerte standen. Diese sind noch feiner untergliedert. Stimmen diese Untergruppen überein ist eine Abstoßung relativ gering. Stimmen alle Blutwerte exakt überein, nennt man dies in Fachkreisen gerne "Full House". Ein diensthabender Arzt ruft daraufhin die Dialysepraxis des möglichen Empfängers an, ob irgendetwas gegen eine Transplantation sprechen könnte. Auch dort sind die Blutwerte als Zeichen für mögliche Infekte ausschlaggebend.
Danach werden die Daten an den Chefarzt der Station weitergeleitet, der auch im Urlaub oder mitten in der Nacht aus dem Schlaf geholt wird. Dieser entscheidet dann anhand der Blutwerte und den Bericht über die Spenderniere, ob diese an den ausgewählten Spender gehen können.
Ist die Entscheidung getroffen, ruft meist der Chefarzt die Empfänger an und teilt ihnen die gute Botschaft mit. Viele reagieren daraufhin etwas verwirrt und wollen keine Transplantation. Gutes Zureden hilft meist, um die Patienten zu überzeugen. Denn selten kommt man in die Gelegenheit ein passendes Spendeorgan zu erhalten.
Da die Zeit von Entnahme bis zur Transplantation der Niere recht lang ist (ca. 30 Stunden), können sich die Empfänger meist etwas Zeit lassen, bis sie auf der Station sein müssen.
Wenn Sie dann eingetroffen sind, werden nur noch notwendige Untersuchungen gemacht (u.U. Röntgen-Thorax, Blutbild, EKG) bevor sie in den OP kommen. Die OP an sich dauert meist nur ca. 2-3 Stunden, abhängig wie viele Venen und Arterien an der Niere hängen.
Nach der OP werden die Patienten kontinuierlich mit Schmerz- und Beruhigungsmittel behandelt. Das aber nur am Tag der OP. Am ersten Tag danach, ist es für viele nicht mehr nötig, bzw. Tabletten reichen für die Schmerzlinderung.
Spätestens am ersten Tag nach der OP wird der Empfänger auch vor das Bett gestellt und muss ein paar Schritte laufen. Am zweiten Tag heißt es dann am Waschbecken waschen. Danach geht schon vieles alleine und das Pflegepersonal gibt nur noch Unterstützung.
Auch wenn die Patienten nach ca. 1 Woche schon über den Flur spazieren gehen und es ihnen gut geht, liegt die Mindestaufenthaltsdauer doch bei mind. 3 Wochen. Dies liegt an den Blut- und Urinwerten, die nach der Transplantation immer erhöht sind und erst wieder auf ein normales Maß herabgesenkt werden müssen.
Da es nicht so viele Todspenden werden auch immer mehr Lebendspenden durchgeführt. Das heißt, dass meist ein Verwandter eine seiner beiden Nieren zur Verfügung stellt. Bei einer Lebendspende wird dem Spender grundsätzlich nur die schlechtere Niere entnommen. Nicht dass der Spender später auch Dialysepflichtig oder ein möglicher Empfänger wird. Solche Lebendspenden müssen erst durch den Ethikrat eines Krankenhauses, um zu prüfen, ob irgend ein Druck auf die Person ausgeübt wurde vom Empfänger oder anderen Personen, ob sich der Spender über die Folgen und die OP im Klaren ist.
Mit den Folgen meine ich in dem Zusammenhang mögliche Schamgefühles, falls das Transplantat nicht anspringt, oder die Schamgefühles die der Empfänger gegenüber dem Spender entwickeln könnte.
Im Endeffekt ist dies sicherlich eine Station, auf die ich sehr gerne arbeiten würde. Hier gilt es mehr mit dem Kopf zu arbeiten, da es nur in den seltensten Fällen pflegebedürftige Patienten auf dieser Station gibt. Im Gegensatz zu normalen Stationen gilt es hier viel mehr alle Blutwerte und Urinwerte auswendig zu können und von diesen Rückschlüsse auf mögliche Komplikationen zu ziehen. Denn schließlich sind es meist die Krankenschwestern /-pfleger, die als erstes die Analysen der Mikrobiologie von den Patienten in den Händen halten.
Auch wenn ich sagen muss, dass man sich auf der Station auch nicht kaputt macht. Deswegen ist dies meist eine Station auf der viele alt gediegene PflegerInnen arbeiten, weil sie keine Lust mehr haben auf Patienten heben und Grundpflege zu betreiben.
Danach stand erst einmal wieder Schule an, diesmal zum Glück nur mit einer Klausur. Leider konnte ich die nicht schreiben, weil ich die letzten zwei Tage mit Migräne ausgefallen bin. Was wohl daran lag, dass ich einen Tag vorher einen Arzttermin inklusive Bohren hatte. Dazu noch wechselhaftes Wetter und es haute mich erstmal um. Erstaunlicher weise sogar viel länger als gewöhnlich. So hatte ich noch vier Tage danach mit den Ausläufern zu kämpfen. Was natürlich aber auch heißt, dass ich die Klausur im nächsten Block nachschreiben muss.
Ansonsten gab es nicht wirklich viel interessantes im Theorieblock. Mehr als genug sozialwissenschaftliches Stunden, die sich um Anleitung, Beratung und Schulung drehten. (Wobei ich sowie auch die meisten meiner Mitschüler das alles schon intuitiv richtig gemacht hatten.) Ansonsten gab es noch Ausflüge in die Infektionskrankheiten, Diabetes (kompliziert, vor allem wenn es ein Kardiologe erklärt ^^) und HIV / AIDS.
Bei dem Thema HIV / AIDS hatten wir mal mit einer neuen Lehrerin, die meist in den anderen Kursen unterrichtet. Ihre Art zu unterrichten ist so anders und so mitreißend, dass man sich wünscht, sie immer bei schwierigen Themen heranziehen zu dürfen. Sie ist mit Elan dabei und ist für viel Humor im Unterricht. Echt - solche Lehrer sollte es öfters geben!
Derzeit bin ich in meiner letzten Woche Urlaub. Und ehrlich - ich konnte mich kein Stückchen aufraffen etwas zu tun. Es war herrlich nicht täglich aufstehen zu müssen, nicht immer Schichtwechsel zu haben oder noch daran zu denken die Hausaufgaben zu erledigen oder für die Klausur zu lernen. Leider muss diese Gefühl für ca. 1 Jahr reichen, denn mein nächster zusammenhängender Urlaub ist erst wieder im nächsten Frühjahr.
Jetzt geht es erstmal auf in den OP. Meine nächste Station ist der OP der Plastischen Chirurgie. Mal sehen, wie gut ich die drei Wochen durchstehe.
Also mal sehen was das wird. Ich hoffe, dass ich dort gut zurecht komme, da ich bis jetzt noch auf keiner Station großartige negative Erfahrungen gemacht habe. Und eigentlich hatte ich vor, dies bis zum Ende meiner Ausbildung so beizubehalten. ^^
Bleibt mir Gesund!
Posted by shanice on Saturday, July 22. 2006 at 14:44 in Ausbildung, Schwester, Skalpell bitte!
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