Eine Untersuchung belegt: Physiotherapie hilft bei Bandscheiben-Vorfall ähnlich gut wie eine OP. Die Entfernung von Bandscheiben zählt indes zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen bei Menschen mit Rückenschmerzen. -- Quelle WELT
Wo man auch hinschaut - die OP beim
Bandscheibenvorfall ist heutzutage quasi ein Routineeingriff. Steht man als Betroffener aber vor der Frage, OP oder nicht, wird es schon schwieriger.
Ist immer eine Operation notwendig?
Nein. Die Literatur geht von etwa 70% aller Bandscheibenvorfälle aus, die konservativ, d.h. ohne Operation, durch zeitweise Schonung, Medikamentengabe, Physiotherapie und Physikalische Therapie erfolgreich behandelt werden kann. Unter günstigen Umständen kann ein Bandscheibenvorfall nach etwa 4 Wochen schrumpfen. Er macht dadurch weniger Beschwerden und ist besser therapierbar. - Quelle: www.bandscheibe.de
Eine individuelle Antwort auf die Frage kann man nur gemeinsam mit dem behandelnden Arzt finden.
Wichtig scheint allerdings vor allem zu sein, daß der Patient sich aktiv für die OP entscheidet, wenn es denn eine OP sein soll.
Bemerkenswert war, dass die Patienten, die sich freiwillig für eine Operation entschieden hatten, von deutlich besseren Ergebnissen berichteten als die Bandscheibenpatienten mit der konservativen Behandlung. Vor allem in den ersten drei Monaten fühlten sie sich schmerzfreier, beweglicher und fitter. Die Unterschiede hatten sich nach zwei Jahren allerdings angeglichen. Eine mögliche Erklärung für die bessere Beurteilung der Operation durch die Patienten sehen die Wissenschaftler darin, dass Menschen, die sich unters Messer legen, auch große Erwartungen in eine so massive Behandlung setzen.
zitiert
FOCUS die Studie, die im
Journal of the American Medical Association erschien.
Noch interessanter ist allerdings, dass eine OP gegenüber "schonenderen" Verfahren (vor allem Physiotherapie in Verbindung mit enzündungshemmenden Medikamenten) keine signifikanten Vorteile bringt.
Ich mag da altmodisch veranlagt sein, aber... ich denke, eine OP sollte man nur dann durchführen, wenn sie wirklich einen
Vorteil für den Patienten bringt. Nicht nur angesichts der Kosten eines Eingriffs in einem Krankenhaus (und der entsprechenden Rekonvaleszenzphase), sondern auch im Hinblick auf die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch eine OP und Krankenhausaufenthalt, die Chance sich eine iatrogene Infektion zuzuziehen, die
wahrscheinliche Notwendigkeit eines zweiten Eingriffs...
Denn eine Operation, egal ob konventionell oder minimalinvasiv, stellt immer ein Risiko dar, und auch die OP-Patienten brauchen anschließend Physiotherapie.
Einen weiteren Faktor, den man bei der Überlegung pro oder kontra Operation nicht außer acht lassen sollte, nennt die
Süddeutsche Zeitung:
Viele Orthopäden müssen umlernen. Wenn die Wirbelsäule anfällig ist, galt dies Jahrzehnte lang als rein mechanisches Problem: Zu schwache Muskeln, abgenutzte Bandscheiben und schlechte Haltung überforderten demnach die Statik der Knochenkette. Inzwischen weiß man: Der seelische Zustand spielt bei Rückenschmerzen eine mindestens so wichtige Rolle wie der Verschleiß.
"Die Stärke der Beschwerden hängt mehr mit psychosozialen Faktoren zusammen als mit Degenerationserscheinungen der Wirbelsäule", sagt Eugene Carragee, Orthopäde an der Universität Stanford. Er hatte vor zwei Jahren gezeigt, dass Patienten mit Rückenschmerzen eine schlechtere Prognose haben, wenn sie privat oder am Arbeitsplatz psychischen Belastungen ausgesetzt sind, sich etwa gemobbt fühlen.
Soll es gar nicht erst so weit kommen, wird es Zeit, die eigenen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten unter die Lupe zu nehmen:
8 Stunden Sitzen ist Gift für den Rücken - sueddeutsche.de
Herumlümmeln ist besser als Aufrechtsitzen - welt.de
Zum Weiterlesen
Rezension: John E. Sarno - Von Rückenschmerzen befreit