Nein, dieser Eintrag befaßt sich nicht mit günstigen Medikamenteneinkäufen. Den Titel konnte ich mir einfach nicht verkneifen -warum, erkläre ich gleich.
Angesichts einer in der aktuellen Ausgabe des renommierten Mediziner-Fachblatts
The Lancet veröffentlichten Studie über den "ursächlichen Zusammenhang zwischen Antibiotikaverschreibung und -resistenz" (im Abstract und Artikel steht dann korrekterweise 'Gebrauch' stattt 'Verschreibung') überschlagen sich die Medien gerade mit Berichten zur Resistenzenbildung durch Antibiotika, und ich möchte frei nach Loriot einfach nur "Ach?" sagen.
Stellvertretend
n-tv:
Vorsicht bei Antibiotika - Bakterien rasch resistent
Was bereits lange vermutet wurde, ist nun bewiesen: Der Einsatz von Antibiotika macht Bakterien rasch unempfindlich gegen einige dieser Substanzen. (...)Mediziner sollten deshalb genau überlegen, wie oft und für welche Fälle sie die Mittel einsetzen. Resistenzen führen zunehmend zu massiven Problemen, weil einige Antibiotika ihre Wirksamkeit gegen bestimmte Erreger komplett verloren haben.
[mode: Ironie] Nein, wirklich?! [mode: Ironie off]
Besonders gut gefiel mir allerdings dieser Absatz aus dem Ärzteblatt, das seinen Artikel mit "Studie: Wie die Antibiotikaverschreibung zu Resistenzen führt" betitelt - ich glaube,
wie das funktioniert, ist den Wissenschaftlern schon länger klar...
Über die gesamte Dauer gesehen lag der Anteil der Resistenzen unter Azithromycin um 17,4 Prozent höher als unter Clarithromycin. Die Gabe von Clarithromycin war allerdings mit der Selektion des erm(B)-Gens assoziiert, das eine hochgradige Resistenz vermittelt. Diese Erreger sind dann auch gegen Lincosamid, Streptogramin B und Tetrazykline resistent, schreibt Stephanie Dancer vom Southern General Hospital in Glasgow im begleitenden Editorial (Lancet 2007; 369: 442-443). (Ärzteblatt, Hervorhebung durch mich)
Klasse,
ein Antibiotikum nehmen und anschließend gleich Resistenzen gegen
drei spezifische Antibiotika und eine der größten Gruppen wichtiger Breitband-Antibiotika (
Tetrazykline) dazubekommen, das ist doch mal echter Mehrwert!
Bleibt, allen die damit zu tun haben, anzuraten, Antibiotika nur dann einzusetzen, wenn es gar nicht anders geht - und dann so spezifisch wie möglich.
Saturday, February 10. 2007 at 14:24 (Link) (Reply)
Saturday, February 10. 2007 at 17:51 (Link) (Reply)
Monday, February 12. 2007 at 05:34 (Link) (Reply)
Friday, March 16. 2007 at 15:48 (Link) (Reply)