Die WELT betitelt heute einen Artikel über den massiven Anstieg von Antibiotikaresistenzen mit "
Gefährliche Super-Erreger bedrohen Patienten", und unwillkürlich drängt sich mir ein Bild auf wie ein lebensgroßer Staphylokokkus vor einem Menschen steht und sagt "BUH, Geld her oder ich beiße Dich...".
Erstaunlich ist an dem
Bericht der WELT eigentlich nur, dass er so tut als sei MRSA ganz plötzlich und über Nacht aufgetaucht (oder als seien alle gefährlichen Resistenzen und
iatrogenen Infektionen Abarten von Staphylococcus Aureus).
Auch hier im Medblog haben wir schon
einige Male über MRSA berichtet,
Die Zahl der Patienten, die nach harmlosen Operationen lebensbedrohlich erkranken, steigt: Jährlich infizieren sich in deutschen Kliniken über 500.000 Menschen mit resistenten Bakterien. Berichte aus Gerichtsakten klingen wie ein Albtraum. Ein neuer Antibiotika-Resistenz-Pass soll das Problem eindämmen.
steht im oben verlinkten Welt-Artikel als Teaser. Ein Pass soll helfen? Erschlägt man damit die Erreger? Oder werden Patienten die ggf. resistent sind zu ihrer eigenen Sicherheit gar nicht erst im Krankenhaus aufgenommen?
Die
Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene schreibt
in ihrem Jahresbericht:
Jeder zehnte Krankenhauspatient in Europa infiziert sich in der Klinik. Jedes Jahr erkranken drei Millionen Menschen an so genannten nosokomialen, durch Mikroorganismen hervorgerufenen Infektionen, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit einem Krankenhausaufenthalt stehen. Rund 50.000 sterben sogar daran - in der Regel ausgelöst durch Arzneimittel-resistente Erreger. Allein in Deutschland infizieren sich pro Jahr zwischen 500.000 und einer Million Menschen im Rahmen von Klinikenaufenthalten mit den Problemkeimen. Bei Patienten auf Intensivstationen liegt das Infektionsrisiko sogar bei über 15 Prozent. (...) Ursache für die Bildung und Ausbreitung von Resistenzen ist der oft wahllose bzw. unnötige Einsatz von Antibiotika. Ein Drittel aller Krankenhauspatienten erhalten Antibiotika. „Ein großer Teil davon ist jedoch entbehrlich“, sagt Professor Axel Kramer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und Direktor des Instituts für Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Universität Greifswald.
Laut Professor Burkhard Wille, Leiters des privaten Instituts für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle (iki) in Gießen, stecken sich die meisten MRSA-Patienten dagegen nicht in Kliniken an, sondern tragen die Bakterien bei ihrer Aufnahme bereits in sich. Wichtig sei ein frühzeitiges Screening der Patienten. Der oben erwähnte Antibiotika-Pass soll ausserdem dafür sorgen, dass die Mediziner den Überblick behalten welche Antiobiotiksa bei einem Patienten anschlagen oder nicht - sollte ein Antibiotikum bei einem Patienten nicht wirken, iseidas ein Hinweis dafür, dass er Bakterien in sich trage, die resistent seien, das müsse im Notfall bekannt sein.
Wie man mit MRSA konsequent umgehen kann, zeigen seit längerem die Niederländer:
„Search and destroy“ nennen sie ihre Anti-MRSA-Politik: „In anderen Ländern werden erst Maßnahmen ergriffen, wenn MRSA aus dem Ruder laufen, in den Niederlanden schon vorher“, sagt die Krankenhaushygienikerin Thea Daha von der Arbeitsgruppe Infektionsprävention in Leiden. Wer hier auch nur im Verdacht steht, Keimträger zu sein, wird mittels Abstrich getestet und bis zum Beweis des Gegenteils strikt von anderen Patienten getrennt. Zutritt zum Krankenzimmer bekommt nur, wer sich mit Mundschutz, Kittel und Handschuhen wappnet. In vielen deutschen Häusern läuft es dagegen umgekehrt. Wenn Risiko-Patienten überhaupt getestet werden, werden sie bis zum Vorliegen des Ergebnisses meist nicht isoliert. Die Keime haben Zeit, sich weiterzuverbreiten. - Quelle: FAZ
Bezeichnend auch, dass in den Ländern mit der höchsten Verschreibungsquote von Antibiotika auch die MRSA-Quote am höchsten ist. Benötigt wird eine grenzüberschreitende, europaweite Herangehensweise, wie sie etwa im
Euregio-Projekt derzeit in einer Testphase läuft.
Es ist höchste Zeit dass etwas geschieht - in den USA sind bereits
medikamentenresistente Pneumokokken aufgetaucht - auch die Autorin dieses Artikels - allergisch gegen einige Antibiotika - hat einige Zeit an einer gegen verschiedene Wirkstoffe resistenten
otitis media laboriert, und
multiresistente Stämme der Tuberkulose nehmen weltweit zu.
Ob allerdings die meisten Krankenhäuser sowohl finanziell als auch von der reinen personellen Austattung her ein
MRSA-Protokoll wie das hier beschriebene durchführen können, darf bezweifelt werden.