Ohne Zweifel ist das Gesundheitssystem ein wichtiger Pfeiler unserer Gesellschaft. Ein Pfeiler der aus vier Haupt-Interessengruppen besteht, die aufeinander wirken wie gleiche Pole...
1. Patienten...
... wollen im Endeffekt vor allem Gesundheit. Dazu wünschen sie die Sicherheit, nicht durch Krankheit oder Behinderung um ihre Existenz gebracht zu werden. Sie wünschen kompetente Beratung, dass ihre Sorgen und Nöte ernst genommen werden, Aufklärung über Themen die sie nicht verstehen oder die furchterregend scheinen, Betreuung und Begleitung.
Sie wünschen die effektivste Behandlung für ihre Probleme ohne Nebenwirkungen oder Folgeschäden fürchten zu müssen - eine Behandlung die auf sie als Person zugeschnitten ist, statt dass sie aus lediglich allgemeinen Erkenntnissen hergeleitet wird.
Sie wünschen nicht, dem behandelnden Arzt ausgeliefert zu sein.
Durch die monatlichen Zahlungen sollten alle auftretenden Probleme abgefangen werden. Auch seltene, alltägliche oder massive Beschwerden sollten weder die Existenz gefährden, noch den Alltag zur Hölle werden lassen.
2. Ärzte...
... wollen in erster Linie von ihrem Beruf leben. Nicht wenige ergreifen ihn jedoch auch wegen der damit einhergehenden Achtung und leider seltener rein aus der Motivation heraus Menschen zu helfen.
Sie sind verpflichtet betriebswirtschaftlich zu denken. Einfache Erkrankungen die mit standardisierten Medikamenten behandelt werden können, sichern Einkommen und Wohlstand. Langwierige Behandlungen, Gesprächsbedarf, aufwendige Diagnosen gefährden mitunter gar die finanzielle Basis.
Erklärungen, Gespräche, auf die Person zugeschnittene Behandlungen, kosten mehr Zeit, als von den Krankenkassen entlohnt wird.
3. Die Pharmaindustrie...
... lebt von der Patentierbarkeit chemischer Zusammensetzungen. Medikamente für die Patente bestehen, können zu entsprechend hohen Kosten verkauft werden, selbst wenn die reinen Produktionskosten deutlich
niedriger liegen. Dies wird u.a. damit begründet das die Forschungskosten wieder hereingeholt werden müssen.
Medikamente mit abgelaufenen Patenten stören daher unter Umständen sogar den Absatz neu patentierter Mittel. An deren Verbleiben auf dem Markt besitzen diese Firmen kein Interesse.
Nicht patentierbare Mittel, wie zum Beispiel heilkräftige Pflanzen, stehen in direkter Konkurenz.
Trotz nach aussem dargestellten humanitären Anspruch, interessiert der Patient die Industrie nur in sofern, das sie an seiner Krankheit verdienen. Ihr Anspruch - als Konzern - ist rein betriebswirtschaftlicher Natur.
4. Die Krankenkassen...
... wünschen sich ein möglichst durchschaubares und überwachbares Gesundheitssystem.
Der Patient ist als Einzahler gerne gesehen und als Leistungsempfänger gehasst. Den Ärzten wird mißtraut, da sie das Geld der Kassen beziehen. Sie werden oft als gierig und betrügerisch betrachtet. Ein Ärztebild das sich in der Kommunikation zwischen Kassenverbänden und Ärzteschaft oftmals direkt offenbart.
Experten die Kassen beraten, haben nur sehr selten aktuelle, praktische Erfahrung und beziehen ihre Informationen meist nicht aus erster Hand. Oftmals sind diese auch direkt aus der Pharmaindustrie entsandt.
Kassen denken betriebswirtschaftlich. Langwierige und teure Behandlungen werden an andere Leistungsträger (BfA, Sozialamt) versucht abzuschieben. Ihr vordringliches Ziel besteht darin Überschüsse zu erwirtschaften.
Was Kassen in Wirklichkeit sein sollten: Treuhänder der eingezahlten Leistungen.
Der
Gesetzgeber muß nun diese unterschiedlichen Bedürfnisse unter ein Dach bekommen. Im Endeffekt darf er die Patienten nicht zu sehr verprellen, seine Berater stammen aber meist aus der Pharmaindustrie oder von Lobbyverbänden und die Stimmen der Krankenkassen haben deutlich mehr Gewicht, als die einzelner Patienten.
Das Wissen des Gesetzgebers über den realen Alltag in der medizinischen Versorgung ist weitgehend akademischer Natur.
Somit liegt bedauerlicherweise das einzig echte Interesse an Gesundheit und Heilung bei den Patienten und einigen wenigen, dafür hochmotivierten Ärzten.
Solange unsere System bleibt wie es ist, wird eine patientenorientierte Gesundheitsversorgung Wunschdenken bleiben. Ebenso das Ärzten und Patienten alle wirksamen Mittel und Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, statt das einige davon aus reinen Geschäftsinteressen diffamiert, eingestellt oder gar direkt verboten werden.