Endlich Urlaub, Endlich Lernen ....oder auch nicht
Nach mehr als einem Jahr habe ich endlich wieder richtigen Urlaub. Und ich muss sagen, dass ich ihn wirklich nötig habe. Ich bin völlig fertig und der Arbeitsalltag hat sich so in mir eingebrannt, dass ich noch immer nicht richtig ausschlafen kann. Auch richtige Entspannung ist noch nicht angesagt, da ich noch nicht loslassen kann.
In der Zwischenzeit hatten wir endlich fest zugeteilte Ärzte in der Frauenpoliklinik bekommen. Dies half jedoch nicht lange, da sich beide Ärzte, für die allgemeine Gynäkologie und für die Poli-Gyn, krank abmeldeten. Also mussten andere Ärzte aushelfen. Nur leider hatten diese keine Ahnung von dem, wie hier was lief. Wir hatten dadurch doppelt soviel Arbeit, da wir die Ärzte immer noch aufklären mussten und vieles an Arbeit übernehmen mussten, damit diese Ärzte überhaupt klar kamen. Dabei hatten wir uns doch gerade mit den zugeteilten Ärzte arrangiert und verstanden.
In der Zwischenzeit hatten wir endlich fest zugeteilte Ärzte in der Frauenpoliklinik bekommen. Dies half jedoch nicht lange, da sich beide Ärzte, für die allgemeine Gynäkologie und für die Poli-Gyn, krank abmeldeten. Also mussten andere Ärzte aushelfen. Nur leider hatten diese keine Ahnung von dem, wie hier was lief. Wir hatten dadurch doppelt soviel Arbeit, da wir die Ärzte immer noch aufklären mussten und vieles an Arbeit übernehmen mussten, damit diese Ärzte überhaupt klar kamen. Dabei hatten wir uns doch gerade mit den zugeteilten Ärzte arrangiert und verstanden.
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Posted by shanice on Saturday, June 23. 2007 at 10:29 in Ausbildung, Erfahrungsberichte, Schwester, Skalpell bitte!
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Ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest...
...wünsche ich euch. Ich hoffe, ihr werdet reich beschenkt und könnt die Tage zum entspannen und erholen nutzen.
Jedoch ist Weihnachten auch immer ein Grund, Symptome nicht ernst zu nehmen. Da ich dieses Weihnachten Dienst habe, sehe und höre ich oft von einigen Fällen, dass es einen nur noch wundern kann. Nicht nur dass der vorweihnachtliche Stress unterschätzt und ignoriert wird, sondern dass viele sich den Bauch so voll schlagen, dass der Gang ins Krankenhaus ignoriert oder besonders angegangen wird.
Daher möchte ich euch einige Anekdoten erzählen, die sich wahrscheinlich in jedem Krankenhaus zu immer der selben Zeit, nämlich zu Weihnachten, ereignen.
Jedoch ist Weihnachten auch immer ein Grund, Symptome nicht ernst zu nehmen. Da ich dieses Weihnachten Dienst habe, sehe und höre ich oft von einigen Fällen, dass es einen nur noch wundern kann. Nicht nur dass der vorweihnachtliche Stress unterschätzt und ignoriert wird, sondern dass viele sich den Bauch so voll schlagen, dass der Gang ins Krankenhaus ignoriert oder besonders angegangen wird.
Daher möchte ich euch einige Anekdoten erzählen, die sich wahrscheinlich in jedem Krankenhaus zu immer der selben Zeit, nämlich zu Weihnachten, ereignen.
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Posted by shanice on Sunday, December 24. 2006 at 17:00 in Alles nur im Kopf, Ausbildung, Erfahrungsberichte, Schwester, Skalpell bitte!, Vermischtes
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Der Warteflur von Schengen
Sollte man zu den Menschen gehören die bedauerlicherweise ein Medikament zu sich nehmen müssen das auch nur annähernd in den Bereich der Betäubungsmittel fällt und sollte man dann noch auf die wahnwitzige Idee kommen eine Auslandsreise zu unternehmen, kann man sich auf einigen Spaß gefasst machen. Man benötigt nämlich ein sogenanntes Schengen Formular worauf einem bestätigt wird welche ansonsten illegale Substanzen man mit sich nehmen darf, und wieviel davon.
Aber damit ein solches Formular auch von den Behörden des Ziellandes anerkannt wird darf nicht einfach der Arzt den entsprechenden Wisch ausstellen, nein man muß auch noch beim zuständigen Gesundheitsamt antreten um sich einen Beglaubigungsstempel abzuholen.
Einen derartigen Gang nach Canossa hatte ich heute vor mir da eine Auslandsreise nach Schweden in rund 20 Stunden bevorsteht, wobei ich mir im Vorfeld ja eigentlich keine Gedanken gemacht hatte. Irgendwie verrannte ich mich in die Ansicht ich würde dort reinmarschieren, ein paar Floskeln wie 'Guten Tag' und 'Auf Wiedersehen' wechseln und wieder abmarschieren.
Man kann nicht einmal behaupten das ich schlecht vorbereitet gewesen wäre. Ich hatte extra angerufen und die Öffnungszeiten verifiziert. Bis 16 Uhr wäre man gewillt sich dieser Aufgabe anzunehmen..
Auf dem Parkplatz vor dem Landratsamt Karlsruhe schlich eine Politesse herum, was mich nicht vergessen liess einen Parkschein zu lösen und man erkennt meinen vorherrschenden Optimismus schon an der gewählten Parkzeit von 30 Minuten. Die erste Überraschung erhielt ich dann an der Information an der ich nach der Impfstelle fragte.
"Ja die hat heute keine Sprechzeiten!"
Hallo? Bitte? Mein Telefonat lag keine halbe Stunde zurück und nun sollte alles anders sein wie behauptet?
Nachdem ich glaubhaft versichern konnte per Telefon zugesichert bekommen zu haben, heute sei offen bekam ich sogar den Weg erklärt und platzte nach kurzem in ein Büro mit drei Personen...
Aber damit ein solches Formular auch von den Behörden des Ziellandes anerkannt wird darf nicht einfach der Arzt den entsprechenden Wisch ausstellen, nein man muß auch noch beim zuständigen Gesundheitsamt antreten um sich einen Beglaubigungsstempel abzuholen.
Einen derartigen Gang nach Canossa hatte ich heute vor mir da eine Auslandsreise nach Schweden in rund 20 Stunden bevorsteht, wobei ich mir im Vorfeld ja eigentlich keine Gedanken gemacht hatte. Irgendwie verrannte ich mich in die Ansicht ich würde dort reinmarschieren, ein paar Floskeln wie 'Guten Tag' und 'Auf Wiedersehen' wechseln und wieder abmarschieren.
Man kann nicht einmal behaupten das ich schlecht vorbereitet gewesen wäre. Ich hatte extra angerufen und die Öffnungszeiten verifiziert. Bis 16 Uhr wäre man gewillt sich dieser Aufgabe anzunehmen..
Auf dem Parkplatz vor dem Landratsamt Karlsruhe schlich eine Politesse herum, was mich nicht vergessen liess einen Parkschein zu lösen und man erkennt meinen vorherrschenden Optimismus schon an der gewählten Parkzeit von 30 Minuten. Die erste Überraschung erhielt ich dann an der Information an der ich nach der Impfstelle fragte.
"Ja die hat heute keine Sprechzeiten!"
Hallo? Bitte? Mein Telefonat lag keine halbe Stunde zurück und nun sollte alles anders sein wie behauptet?
Nachdem ich glaubhaft versichern konnte per Telefon zugesichert bekommen zu haben, heute sei offen bekam ich sogar den Weg erklärt und platzte nach kurzem in ein Büro mit drei Personen...
Kunde Patient?
Ein Drama der ganz besonderen Art fand ich gestern in einem fremden Blog. Aber in Deutschland muß ja niemand mit akuten Gesundheitsproblemen warten oder gar lange Fahrten auf sich nehmen um geholfen zu bekommen... (Vorsicht, Ironie!)
und
siehe Sanouscha - verarscht
ich fühle mich verarscht. Nicht nur, daß der nächste Arzt in meiner Nähe gerade mal sprechstunden von 8 bis 11 hat, nein, sie schicken tatsächlich auch noch kranke Menschen weg, die VOR elf in der Praxis antanzen. Man soll doch bitte schön morgen dann wieder um acht kommen.
und
"ja, wir sind umgezogen, zur nummer 158 - 160, haltestelle ist die Berliner Straße" hilft mir da gar nix, wenn die einzigen erkennbaren Hausnummern auf der Gegenüberliegenden Seite sind und mir mit 130 Entgegenspringen. Erst recht nicht, wenn der weg nach aufwärts - immer schön den größeren Nummern entgegen - zehn minuten lang an nichts als unterführung, grün, grün und grün vorbeiführt, während die nummern auf der anderen Seite, leider ungerade, immer größer werden, auf meiner Seite aber weit und breit GAR NICHTS zu finden ist.
Soll ich riechen, daß diese verfluchte Praxis genau gegenüber meines Hauses (übrigens die nummer 127) zu finden ist? ich hab dann nen Postboten gefragt. Und bin mit schmerzendem Kopf, atemnot und kratzendem Hals, das schwindelgefühl ignorieren wir mal, den ganzen weg wieder zurückgelatscht, um mir DANN sagen zu lassen, daß ich doch morgen kommen soll, jetzt haben sie schon zu.
ach nein. Tatsächlich.
Jetzt bin ich also den Dritten Tag krank und auf der verzweifelten Suche nach irgendeinem Arzt, der mich behandeln möchte - falls jemand einen weiß, schickt ihn doch bitte vorbei, ich bin die sterbende im ersten stock.
siehe Sanouscha - verarscht
In der Haut von Blinden
Eigentlich wollte ich ja an meinem Bericht von der Station arbeiten. Leider kam ich damit nicht wirklich voran, da bot sich gestern für mich ein viel besseres Thema an. Von unserer Klasse aus sind wir zu einer "Austellung" in die Hamburger Speicherstadt gefahren. Diese ist etwas ganz anderes, als die normalen Ausstellung. Hier findet man keine Skulpturen, Gemälde oder andere Sachen, die sich Kunst nennen. Hier sieht man nichts - gar nichts.
Der Besucher wird in die Welt der Blinden und Sehbehinderten eingeführt. In einem Parkour von ca. 600 qm läuft der nun hilflose Besucher durch das künstlich geschaffene Areal unter der Führung eines Sehbehinderten oder Blinden und muss lernen sich mit seinen restlichen Sinnen die Welt um sich herum zu entdecken. Und die Ausstellung läßt keine Möglichkeit aus, diese Sinne zu stören. Dies geschieht aber nicht mutwillig. Denn diese Situationen kennen wir aus dem Alltag, wirken sie dort doch völlig normal auf uns. Nur hier im Dunkeln sind sie noch mehr behindernd. Mehr wird aber nicht verraten. Geht selbst zum "Dialog im Dunkeln" und seht die Welt mit anderen Augen.
Webseite der Ausstellung: "Dialog im Dunkeln"
Achtung: Die Folgeseite benötigt etwas mehr Zeit zum laden.
Der Besucher wird in die Welt der Blinden und Sehbehinderten eingeführt. In einem Parkour von ca. 600 qm läuft der nun hilflose Besucher durch das künstlich geschaffene Areal unter der Führung eines Sehbehinderten oder Blinden und muss lernen sich mit seinen restlichen Sinnen die Welt um sich herum zu entdecken. Und die Ausstellung läßt keine Möglichkeit aus, diese Sinne zu stören. Dies geschieht aber nicht mutwillig. Denn diese Situationen kennen wir aus dem Alltag, wirken sie dort doch völlig normal auf uns. Nur hier im Dunkeln sind sie noch mehr behindernd. Mehr wird aber nicht verraten. Geht selbst zum "Dialog im Dunkeln" und seht die Welt mit anderen Augen.
Webseite der Ausstellung: "Dialog im Dunkeln"
Achtung: Die Folgeseite benötigt etwas mehr Zeit zum laden.
Posted by shanice on Saturday, June 17. 2006 at 12:45 in Erfahrungsberichte, Schwester, Skalpell bitte!
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Livebericht Magenspiegelung
Medblog-Leser knutsen hat uns freundlicherweise seinen Erfahrungsbericht über den Verlauf einer Magenspiegelung mit allen Begleiterscheinungen zur Verfügung gestellt.
Sein Blog, das sich mit seinem Leben und Informatik-Studium befasst, findet Ihr unter http://www.datamoon.de/knutsen/, den Artikel-Text könnt Ihr mit seiner Erlaubnis (danke!) auch hier lesen:
Da ich vor einiger Zeit eine Magenschleimhautentzündung hatte und auch nach Absetzen der Medikamente noch nicht alle Beschwerden vorbei waren, überwand ich mich und ging zum Gastroenterologen, um mir eine Magenspiegelung verpassen zu lassen. Zumindest besprach ich mit ihm die Lage der Dinge und wartete, bis er das von sich aus vorschlug, was er schließlich auch tat. Zwei Wochen später, gestern, sollte die Sache über die Bühne gehen.
Interessanterweise verabschiedeten sich meine letzten Beschwerden einige Tage, nachdem ich den Termin gemacht habe. Das war noch so ein Indiz dafür, daß bei mir Probleme und schwere Entscheidungen immer sofort auf den Magen schlagen. In diesem Fall war es wohl mein Ringen, ob ich die Gastroskopie durchziehen sollte oder nicht. So resultierte auch die Magenschleimhautentzündung vermutlich aus einer Ansammlung von (teilweise selbstverursachtem und jetzt nicht mehr vorhandenem) Stress.
Auch wenn ich nunmehr ohne Beschwerden war, fand ich mich um 0800 in der Praxis ein; nüchtern und ohne Mahlzeit seit dem Vortag um 1800. Sicherlich hätte ich auch absagen können, aber ich wollte auch Sicherheit, daß die Sache jetzt endlich erledigt war. Nach kurzen fünf Minuten Wartezeit wurde ich in einen kleinen Raum mit einer Liege, einem Ultraschallgerät und einem Gerät zur Durchführung der Gastroskopie geführt. Vermutlich befand sich noch mehr darin, aber mein Blick und mein Wissen reichte nicht aus, die Dinge näher zu spezifizieren.
Sein Blog, das sich mit seinem Leben und Informatik-Studium befasst, findet Ihr unter http://www.datamoon.de/knutsen/, den Artikel-Text könnt Ihr mit seiner Erlaubnis (danke!) auch hier lesen:
Da ich vor einiger Zeit eine Magenschleimhautentzündung hatte und auch nach Absetzen der Medikamente noch nicht alle Beschwerden vorbei waren, überwand ich mich und ging zum Gastroenterologen, um mir eine Magenspiegelung verpassen zu lassen. Zumindest besprach ich mit ihm die Lage der Dinge und wartete, bis er das von sich aus vorschlug, was er schließlich auch tat. Zwei Wochen später, gestern, sollte die Sache über die Bühne gehen.
Interessanterweise verabschiedeten sich meine letzten Beschwerden einige Tage, nachdem ich den Termin gemacht habe. Das war noch so ein Indiz dafür, daß bei mir Probleme und schwere Entscheidungen immer sofort auf den Magen schlagen. In diesem Fall war es wohl mein Ringen, ob ich die Gastroskopie durchziehen sollte oder nicht. So resultierte auch die Magenschleimhautentzündung vermutlich aus einer Ansammlung von (teilweise selbstverursachtem und jetzt nicht mehr vorhandenem) Stress.
Auch wenn ich nunmehr ohne Beschwerden war, fand ich mich um 0800 in der Praxis ein; nüchtern und ohne Mahlzeit seit dem Vortag um 1800. Sicherlich hätte ich auch absagen können, aber ich wollte auch Sicherheit, daß die Sache jetzt endlich erledigt war. Nach kurzen fünf Minuten Wartezeit wurde ich in einen kleinen Raum mit einer Liege, einem Ultraschallgerät und einem Gerät zur Durchführung der Gastroskopie geführt. Vermutlich befand sich noch mehr darin, aber mein Blick und mein Wissen reichte nicht aus, die Dinge näher zu spezifizieren.
Putzen mit der schwarzen Madonna
Frau Hoch gehört zu den KlientInnen, die sich meistens in geheimnisvolles und unnahbares Schweigen hüllen. Sie ist eine junge Frau mit einem engelgleichen Gesicht, zarter Haut und langen schwarzen Haaren. Niemals würde sie eine Hose tragen. Sie kleidet sich ausschließlich in schwarze, fließende Gewänder. Anfangs dachte ich, sie würde zur „Gothic“- Szene gehören, aber das war eine schwere Fehleinschätzung. In Wirklichkeit ist sie nämlich nicht von dieser Welt. Deswegen habe ich sie für mich „die schwarze Madonna“ getauft.
Manchmal schauen ihre feinen Ohrmuscheln ein bisschen durch ihr wallendes Haar, dann sieht sie aus wie eine Elbenprinzessin aus den Feenwäldern von Mittelerde. Fast.
Wenn sie nicht so angespannt die Stirn runzeln würde.
Außer dem Betreuten Einzelwohnen hat die schwarze Madonna einen gesetzlichen Betreuer, bei dem sie wöchentlich ihr Haushaltsgeld abholt, und eine Sozialstation, die ihr morgens und abends ihre Medikamente gibt.
Sie ist das, was wir eine „niedrigschwellige“ Klientin nennen. Das heißt übersetzt, dass wir im Betreuten Einzelwohnen keine großen Ansprüche an sie stellen. Meine Aufgabe ist es, ganz regelmäßig den Kontakt zu ihr zu halten und sie behutsam zu stabilisieren. Mehr nicht.
Für mich gehört das zu den schwereren Herausforderungen. Es ist so verführerisch, sich einzumischen. Es wäre auch einfacher. Diese ganze Zurückhaltung und Vorsicht kostet viel mehr Konzentration und Selbstbeherrschung als man das von außen so mitkriegt. Nicht zu vergessen die endlose Geduld, die man dafür aufbringen muss.
Aber bei der schwarzen Madonna hat es sich gelohnt. In winzigen Schrittchen wurde eine Besserung sichtbar. Früher hat sie im psychotischen Schub schon mal ihre Wohnung komplett zertrümmert oder Leute angegriffen. Eine Klinikeinweisung ging grundsätzlich mit dramatischen Polizeiaktionen und richterlichen Zwangsanordnungen einher.
Durch das Betreute Einzelwohnen legte sich nach und nach die Dramatik.
Zuerst ging sie dazu über, „harmlosere“ Zwangeinweisungen zu provozieren.
Heute reicht es, wenn ich bei ihr vorbei gehe und sage: „Frau Hoch, es ist mal wieder so weit. Ich erkenne Ihre Krisenzeichen. Am Besten, Sie packen jetzt ihre Tasche und wir fahren zusammen in die Klinik.“ Dann sagt sie: „Ja, ist gut.“ Und kommt ganz friedlich mit mir mit.
Dadurch sind ihre Klinikaufenthalte kürzer geworden. Und sie werden langsam seltener.
Jetzt gerade ist sie wieder in der Klinik, und ich besuche sie dort regelmäßig.
Manchmal schauen ihre feinen Ohrmuscheln ein bisschen durch ihr wallendes Haar, dann sieht sie aus wie eine Elbenprinzessin aus den Feenwäldern von Mittelerde. Fast.
Wenn sie nicht so angespannt die Stirn runzeln würde.
Außer dem Betreuten Einzelwohnen hat die schwarze Madonna einen gesetzlichen Betreuer, bei dem sie wöchentlich ihr Haushaltsgeld abholt, und eine Sozialstation, die ihr morgens und abends ihre Medikamente gibt.
Sie ist das, was wir eine „niedrigschwellige“ Klientin nennen. Das heißt übersetzt, dass wir im Betreuten Einzelwohnen keine großen Ansprüche an sie stellen. Meine Aufgabe ist es, ganz regelmäßig den Kontakt zu ihr zu halten und sie behutsam zu stabilisieren. Mehr nicht.
Für mich gehört das zu den schwereren Herausforderungen. Es ist so verführerisch, sich einzumischen. Es wäre auch einfacher. Diese ganze Zurückhaltung und Vorsicht kostet viel mehr Konzentration und Selbstbeherrschung als man das von außen so mitkriegt. Nicht zu vergessen die endlose Geduld, die man dafür aufbringen muss.
Aber bei der schwarzen Madonna hat es sich gelohnt. In winzigen Schrittchen wurde eine Besserung sichtbar. Früher hat sie im psychotischen Schub schon mal ihre Wohnung komplett zertrümmert oder Leute angegriffen. Eine Klinikeinweisung ging grundsätzlich mit dramatischen Polizeiaktionen und richterlichen Zwangsanordnungen einher.
Durch das Betreute Einzelwohnen legte sich nach und nach die Dramatik.
Zuerst ging sie dazu über, „harmlosere“ Zwangeinweisungen zu provozieren.
Heute reicht es, wenn ich bei ihr vorbei gehe und sage: „Frau Hoch, es ist mal wieder so weit. Ich erkenne Ihre Krisenzeichen. Am Besten, Sie packen jetzt ihre Tasche und wir fahren zusammen in die Klinik.“ Dann sagt sie: „Ja, ist gut.“ Und kommt ganz friedlich mit mir mit.
Dadurch sind ihre Klinikaufenthalte kürzer geworden. Und sie werden langsam seltener.
Jetzt gerade ist sie wieder in der Klinik, und ich besuche sie dort regelmäßig.
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Posted by Brangäne on Sunday, May 21. 2006 at 22:22 in Alles nur im Kopf, Erfahrungsberichte
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Die Sozialarbeiterin und die Psychiatrie: Meine erste aufgebrochene Tür
Ich komme nach einer Runde von Hausbesuchen ins Büro zurück. Meine erste Amtshandlung ist, wie immer, der Blick in unser Nachrichtenbuch.
Meine Kollegen haben aufgeschrieben, dass die Sozialstation Glückauf angerufen hat, zwei mal schon. Wegen Frau Nöte.
Die Sozialstation Glückauf soll Frau Nöte zweimal täglich ihre Medikamente verabreichen, und ihr zweimal wöchentlich beim Putzen helfen.
Frau Nöte hat heute Morgen für die Medikamente die Tür nicht geöffnet, und heute Vormittag fürs Putzen auch nicht.
Hm.
Ich bin eh schon besorgt.
Gestern bei meinem Hausbesuch hat Frau Nöte mir überhaupt nicht gefallen. Sie konnte gar nicht richtig sprechen. Hilflos und zitternd saß sie auf ihrem Sofa und sah mich aus panikgeweiteten Augen an. Es kam mir so vor, als wüsste sie auch nicht, welchen Wochentag oder welche Tageszeit wir haben.
Meine Kollegen haben aufgeschrieben, dass die Sozialstation Glückauf angerufen hat, zwei mal schon. Wegen Frau Nöte.
Die Sozialstation Glückauf soll Frau Nöte zweimal täglich ihre Medikamente verabreichen, und ihr zweimal wöchentlich beim Putzen helfen.
Frau Nöte hat heute Morgen für die Medikamente die Tür nicht geöffnet, und heute Vormittag fürs Putzen auch nicht.
Hm.
Ich bin eh schon besorgt.
Gestern bei meinem Hausbesuch hat Frau Nöte mir überhaupt nicht gefallen. Sie konnte gar nicht richtig sprechen. Hilflos und zitternd saß sie auf ihrem Sofa und sah mich aus panikgeweiteten Augen an. Es kam mir so vor, als wüsste sie auch nicht, welchen Wochentag oder welche Tageszeit wir haben.
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Posted by Brangäne on Monday, May 1. 2006 at 13:46 in Alles nur im Kopf, Erfahrungsberichte
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Die Sozialarbeiterin und die Psychiatrie: Scharmützel
Frau Blank ist bei unserem gewohnten Termin nicht zuhause. Das ist nichts Besonderes, das passiert immer wieder mal. Ich denke mir, sie hatte vielleicht was Besseres vor, als mit mir zu putzen.
Später am Tag ruft sie bei uns im Büro an. Das ist bemerkenswert, weil das sonst nie vorkommt. Sie klingt munter und guter Dinge. „Hallo Frau Tüchtig, wissen Sie denn gar nicht, dass ich im Krankenhaus bin?“
Weiß ich nicht.
Ich bin überrascht.
Beim letzten Termin wirkte sie nicht im Geringsten psychotisch, und auch jetzt klingt sie nicht so. Ich fahre noch am gleichen Nachmittag in der Klinik vorbei.
Beim ersten Anblick kriege ich einen Schreck. Frau Blank sieht richtig schlimm aus. Sie hat ein Pflaster an der Schläfe und ein geschwollenes, blutunterlaufenes Auge. Ist sie etwa verprügelt worden?
Später am Tag ruft sie bei uns im Büro an. Das ist bemerkenswert, weil das sonst nie vorkommt. Sie klingt munter und guter Dinge. „Hallo Frau Tüchtig, wissen Sie denn gar nicht, dass ich im Krankenhaus bin?“
Weiß ich nicht.
Ich bin überrascht.
Beim letzten Termin wirkte sie nicht im Geringsten psychotisch, und auch jetzt klingt sie nicht so. Ich fahre noch am gleichen Nachmittag in der Klinik vorbei.
Beim ersten Anblick kriege ich einen Schreck. Frau Blank sieht richtig schlimm aus. Sie hat ein Pflaster an der Schläfe und ein geschwollenes, blutunterlaufenes Auge. Ist sie etwa verprügelt worden?
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Posted by Brangäne on Thursday, April 13. 2006 at 16:00 in Alles nur im Kopf, Erfahrungsberichte
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Die Sozialarbeiterin und die Psychiatrie: Über das Schweigen
Apropos, wenn man gar nichts tun kann:
Manchmal gibt es Klienten, die nicht sprechen. Das ist schwer. Wir versuchen dann, ob wir gemeinsam etwas tun können, ohne viel zu reden: spazieren gehen, aufräumen, renovieren, basteln, irgendwas.
Wenn das auch nicht geht, wird es ganz schwer. Dann fragen wir uns manchmal: Wozu sind wir eigentlich hier? Was will der Klient von uns?
Da sitzen wir mit unserem Klienten. Er ist offensichtlich verstört, und wir werden langsam auch immer verstörter. Und nun?
Eine meiner ersten Klientinnen war so.
Ich war unerfahren und ungeschickt, und sie war stumm. Beinah. Sie schaute mich niemals an. Wenn ich zu ihr sprach, sah sie starr an mir vorbei ins Leere. Wenn ich sie etwas fragte, waren die Antworten maximal zwei Silben lang. Maximal.
"Ja." -- "Nein." -- "Okay." -- "Weiß nicht."
Und wieder Schweigen.
Da fängt man als Sozialarbeiterin an, wie wild zu denken.
Manchmal gibt es Klienten, die nicht sprechen. Das ist schwer. Wir versuchen dann, ob wir gemeinsam etwas tun können, ohne viel zu reden: spazieren gehen, aufräumen, renovieren, basteln, irgendwas.
Wenn das auch nicht geht, wird es ganz schwer. Dann fragen wir uns manchmal: Wozu sind wir eigentlich hier? Was will der Klient von uns?
Da sitzen wir mit unserem Klienten. Er ist offensichtlich verstört, und wir werden langsam auch immer verstörter. Und nun?
Eine meiner ersten Klientinnen war so.
Ich war unerfahren und ungeschickt, und sie war stumm. Beinah. Sie schaute mich niemals an. Wenn ich zu ihr sprach, sah sie starr an mir vorbei ins Leere. Wenn ich sie etwas fragte, waren die Antworten maximal zwei Silben lang. Maximal.
"Ja." -- "Nein." -- "Okay." -- "Weiß nicht."
Und wieder Schweigen.
Da fängt man als Sozialarbeiterin an, wie wild zu denken.
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Posted by Brangäne on Tuesday, April 11. 2006 at 08:19 in Alles nur im Kopf, Erfahrungsberichte
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